Hell or High Water

Der erste Grund, sich diesen Film anzusehen, ist dass der alte Haudegen Jeff Bridges wieder mal sein Können zeigen darf. Er verkörpert den bärbeißigen Texas Ranger Marcus Hamilton, der kurz vor der Pensionierung steht und sich einem Bankräuber-Duo an die Fersen heftet. Dabei nuschelt und brummt er vor sich hin, wenn er nicht gerade wieder seinen Assistenten Alberto Parker (Gil Birmingham, der sich durch die „Twilight“-Reihe hindurch quälen musste) anfrotzelt oder rassistisch beleidigt.

Der zweite Grund, sich diesen Film anzusehen, ist der Soundtrack von Nick Cave und Warren Ellis, der exzellent zu diesem Trip durch die texanische Prärie und heruntergekommene Kleinstädte passt: Nach dem Platzen der Immobilienblase herrscht zwischen dem Diner und der Filiale der „Texas Midlands Bank“ herrscht hier nur Tristesse.

Vor allem lohnt sich „Hell or High Water“ aber, weil dem schottischen Regisseur David Mackenzie und seinem texanischen Drehbuchautor Taylor Sheridan, der auch das Buch für „Sicario“ von Denis Villeneuve schrieb, ein sehenswerter, lakonischer Genre-Film gelingt. Sie schicken ein ungleiches Brüderpaar auf einen Rache-Trip: Ihr Grundstück ist mit Hypotheken belastet und steht kurz vor der Zwangspfändung durch die Bank. Deshalb beschließen sie, mit einer Serie von Banküberfällen das nötige Geld aufzutreiben: immer nur Münzen, nie markierte, nachverfolgbare Scheine.

Die beiden Brüder Toby und Tanner Howard werden von Chris Pine (bekannt geworden als „Captain Kirk“ in den „Star Trek“-Remakes und als Armani-Model) und Ben Foster (einem der unterschätzten Schauspieler aus der zweiten Hollywood-Reihe) gespielt. Der eine ist der kühl abwägende, raffinierte Kopf hinter dem Plan, der andere der impulsive Schläger, der ständig mit dem Gesetz in Konflikt kommt, so dass sich nicht nur sein Bruder wundert, wie er es schaffen konnte, nach seiner letzten Haft bereits ein ganzes Jahr auf freiem Fuß zu sein.

Mackenzie und Sheridan nehmen sich viel Zeit, ihre Figuren zu entwickeln. Das Erzähltempo verschärft sich nur langsam, bis zum Showdown gibt es auch immer wieder Momente des Wartens, Räsonierens und Zweifelns der Protagonisten.

Dass deutsche Kinopublikum kann sich freuen, dass sich der Brite Mackenzie mit „Hell or High Water“ zurückmeldet. Vor einem Jahrzehnt war er zwei Mal im Wettbewerb der Berlinale zu Gast: mit dem Psychiatrie-Thriller „Asylum“ (2005) und der skurrilen Roman-Verfilmung „Hallam Foe“ (2007). Seitdem war es etwas ruhiger um ihn geworden: die Sci-Fi-Romanze „Perfect Sense“ mit Ewan McGregor bekam 2011 nur mäßige Kritiken, seine Komödien „Toy Boy“ mit Ashton Kutcher (2009) und „You instead“ (2011) kamen ebenso wenig in die deutschen Kinos wie sein Gefängnis-Drama „Starred up“ (2013).

„Hell or High Water“ hatte seine Premiere in der renommierten Reihe „Un certain regard“ des Festivals in Cannes im Mai 2016 und war ein Überraschungs-Erfolg des Kinosommers 2016 in den USA.

In den deutschen Kinos startete „Hell or High Water“ am 12. Januar 2017. Wie der Tagesspiegel kommentierte, ist dieser Termin kurz vor Donald Trumps Amtseinführung gut gewählt: „Ähnlich wie Didier Eribons Autobiografie „Rückkehr nach Reims“ war Mackenzie mit seiner gewalttätigen Outlaw-Ballade über die „Abgehängten“ des amerikanischen Traums seiner Zeit etwas voraus.“

Webseite und Trailer

Bild: Paramount Pictures Germany

 

 

 

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