Elle

Nach seinen Hollywood-Blockbustern „Robocop“, „Total Recall“ und „Basic Instinct“ (zwischen 1987 und 1992) war es ruhiger um Verhoeven geworden. Mit einem provozierenden Film meldete sich der niederländische Regisseur Paul Verhoeven im Mai 2016 zurück in Europa: „Elle“ ist eine „Zumutung“, ein „krasser Stoff“, wie ZEIT Online zurecht schrieb.

Der Film war ein riskantes Projekt und hätte leicht schief gehen können, wenn Verhoeven für die Hauptrolle keine so herausragende Schauspielerin wie Isabelle Huppert gehabt hätte. Mit einer Mischung aus Eiseskälte und Grazie trägt sie das etwas mehr als zweistündige Psychodrama.

In den ersten Szenen sehen wir, wie sie in einer edel eingerichteten Wohnung Opfer eines schwarz vermummten Vergewaltiger in ihrer Küche. Sie entscheidet sich: „Keine Polizei!“ Freunde und Kollegen erfahren nur ganz beiläufig, was geschehen ist. Sie hat sich vorgenommen, dass sie weiter „funktionieren“ und ihr  Unternehmen, eine Game-Produktionsfirma, am Laufen halten will. „Eine Frau wie ein Rasiermesser“, titelte ZEIT online treffend.

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Der Film entwickelt sich zu einer Studie über die Anziehung und Abscheu, zwischen der Michelle (Isabelle Huppert) schwankt. Ihr Vergewaltiger stellt ihr weiter nach, zunächst mit SMS, dann auch erneut in ihrer Wohnung. Schritt für Schritt enthüllt sie seine Identität, die den Zuschauern in ihren Kinosesseln schon recht früh klar ist. Diese zweite Hauptrolle spielt Laurent Lafitte, der in Deutschland noch recht unbekannt, aber Mitglied der Comédie-Française ist, mit einer Mischung aus subtiler Verführungskunst und sadistischer, psychopathischer Abgründe.

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Auch in den Nebenrollen ist „Elle“ mit Anne Consigny (als bester Freundin der Hauptfigur), Christian Berkel (als Liebhaber) oder Jonas Bloquet sehr gut besetzt

„Elle“ ging bei der Premiere beim Festival in Cannes im Mai 2016 zwar leer aus. Die Konkurrenz war aber auch sehr stark mit „Toni Erdmann“ (Kritik), „Die Taschendiebin“ (Kritik) oder „Einfach das Ende der Welt“ (Kritik), um nur drei noch überzeugendere Filme aus dem Cannes-Jahrgang 2016 zu nennen.

Die Berlinale 2017, die gerade unter dem Jury-Vorsitz von Paul Verhoeven zuende ging, könnte sich glücklich schätzen, wenn im Wettbewerb wenigstens ein paar so packende und qualitativ hochwertige Filme wie „Elle“ dabei gewesen wären.

Seit der Premiere in Cannes wurde „Elle“ mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet. Bei den Golden Globes gab es zwei Trophäen (als bester fremdsprachiger Film und für die Hauptdarstellerin Isabelle Huppert). Sie ist auch für einen Oscar nominiert.

Kinostart in Deutschland: 16. Februar 2017

Bilder: © 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup

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