Wigwamkonzert

Hinein „in den Kokon“ sehnen sich die Wählerinnen und Wähler, spottet Rainald Grebe bei seinem „Wigwamkonzert“ im tipi am Kanzleramt. Dieser Song ist zwar nicht ganz neu, sondern stammt aus seinem Programm „Berliner Republik“ (2013). Vier Jahre und einen Bundestagswahlkampf später trifft er aber noch immer ins Schwarze. Angela Merkel eilt von Gipfel zu Gipfel und gibt den Bürgern das Gefühl, dass unter ihrer Kanzlerschaft schon alles gut werden wird und sich die Menschen sicher fühlen können: „Sie kennen mich!“

Kaum ein Musikkabarettist unterhält sein Publikum mit so treffsicheren Pointen wie Grebe. Seine Oden an die Germanistik-Studentin Dörte und an das Land Brandenburg entwickelten sich zu Dauerbrennern, die man auch jenseits der Kleinkunst-Fangemeinde kennt. Gerade weil die Texte in seinen Liedern so eine große Rolle spielen, ist es schade, dass die Textverständlichkeit leidet, wenn Grebe gemeinsam mit seiner „Kapelle der Versöhnung“ auftritt und einzelne Wörter vom Klangteppich verschluckt werden. Das Problem, das eine Zwischenruferin auch gestern im tipi bemängelte, wurde auch schon in Rezensionen früherer Programme an anderen Spielstätten angesprochen.

Grebes „Wigwamkonzert“ ist ein Mix aus vielen altbekannten Liedern (ohne seine allergrößten Hits) und neueren, selbstironischen Nummern, in denen er sich mit dem Älterwerden und Krankheiten befasst. Eine Parodie auf Helene Fischers „Atemlos“ wechselt sich mit der Mitmach-Nummer über die hyperaktiven „Multitasker“ und einem neuen Stück über Burn-Out und Fitnessstudios ab.

Bei schwülen Hochsommertemperaturen wird das „Wigwamkonzert“ zu einer schweißtreibenden Angelegenheit im ausverkauften Zelt. Das tipi verteilte netterweise vorab schwarze Fächer. Ärgerlich ist, dass Grebes Band und einige Zuschauer, die er eigens animierte, den „Rauchertisch“ neben der Bühne eifrig zu nutzen, die knappen Sauerstoffreste durch ihren eklig-stinkenden Zigarettenqualm weiter reduzieren. Da wünscht man sich lieber Merkels Kokon, als einen Künstler, der rücksichtslos auf der Gesundheit seines Publikums herumtrampelt.

Bild: Gesa Simons

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