Die Räuber

Das Theater RambaZamba holte sich für den Start der neuen Intendanz von Jacob Höhne, der die Leitung dieses kleinen Hauses von seiner Mutter Gisela übernahm, viele klangvolle Namen.

Zur Saison-Eröffnungs-Premiere wählte sich der Hausherr Schillers jugendliches Sturm- und Drang-Drama „Die Räuber“ und verpflichtete das Bühnenbildner-Duo Thomas Bo Nilsson und Julian Eicke. Wie zuletzt schon am Gorki Theater bei Ersan Mondtags Antiken-Projekt „Ödipus und Antigone“ beeindrucken sie mit einem phantasievollen Szenario. Inmitten eines Pools thront ein schwarzer Pferdekopf. Karl Moor (Jonas Sippel) taucht in der ersten Szene im Neopren-Anzug aus dem Wasserbecken auf und sorgt als Strippenzieher dafür, dass alle anderen Mitspieler nasse Füße bekommen.

Das integrative RambaZamba-Ensemble aus „Menschen mit so genannter Behinderung“ holte sich für die Rolle des greisen Grafen Maximilian Moor einen illustren Damen-Chor: außer der Gründerin Gisela Höhne und Johanna Peine treten Ex-DEFA-Star Blanche Komerell, Almut Zilcher vom DT sowie Antonia Bill und Claudia Burckhardt, zwei prägende Spielerinnen der vor kurzem zu Ende gegangenen Peymann-Ära am BE auf. In edlen, glänzenden Gewändern waten sie durch das Becken und bestechen durch die Sychronität ihres chrorischen Sprechens. Heute Abend schrumpfte das Sextett leider ohne Kommerell und Zilcher zum Quartett.

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Die Inszenierung lebt vor allem vom Kontrast zweier Welten: von der Eleganz und der bis ins Detail ausgefeilten Auftritte dieser Diven in der Rolle des alten Moor auf der Bühne und von den dazwischen als Live-Video eingespielten Exzessen der Räuberbande um Karl Moor (Jonas Sippel), die die Nonnen schänden und am Ende des Abends nackt auf die Bühne kommen.

Der Abend leidet etwas unter der Textverständlichkeit, so dass man seinen Schiller kennen sollte, um immer auf der Höhe des Geschehens zu bleiben. An die beiden großen „Räuber“-Inszenierungen der jüngeren Vergangenheit von Leander Haußmann am BE und von Ulrich Rasche mit seinen riesigen Walzen und Bändern am Residenztheater reicht dieser auf 1 Stunde 45 Minuten gekürzte Abend zwar nicht heran, aber als  Patchwork-Experiment ganz verschiedener Theater-Stile ist er allemal interessant.

Bilder: Sarien Visser

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