M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Vor allem auf die Hysterie von Bürgern und Boulevardmedien stürzt sich die Adaption des Filmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, mit der das Puppentheater Magdeburg im Kleinen Haus des Berliner Ensembles gastiert.

Fritz Langs erster Tonfilm aus dem Jahr 1931, bevor er vor den Nazis ins Exil nach Hollywood floh, ist ein Genre-Patchwork. Es beginnt ganz harmlos – vor allem für heutige Sehgewohnheiten – auch recht schleppend als Sozialdrama in Berliner Mietshäusern. Bei den Gästen aus Magdeburg wird daraus ein lustiger Mix mehrerer ostdeutscher Dialekte zwischen Berlinerisch und Sächsisch. Im Lauf der knapp zwei Stunden schält sich bei Lang eine Detektivgeschichte heraus, die mit sehr gekonnt montierten Parallelsequenzen den Spannungssog eines Thrillers aufbot. Dem pädophilen Serienmörder M sind sowohl die Polizei als auch die Syndikate der Unterwelt auf der Spur, die durch verstärkte Razzien in ihren Geschäften gestört werden und ein Bündnis mit den Obdachlosen schließen.

Die Nebelmaschine läuft zwischendurch immer wieder auf Hochtouren und Edvard Griegs „Peer Gynt Suite“ durchzieht wie schon den Film auch diesen Abend als Leitmotiv. Die düstere Atmosphäre der Krimihandlung stellt sich auf der Bühne jedoch nur schwer ein. Auch das Katz- und Maus-Spiel wird nur angedeutet. Umso stärker ist die Magdeburger Inszenierung in ihren komischen und satirischen Momenten.

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Roscha A. Säidow und ihr Ensemble reichern das Handlungsgerüst des Films mit kleinen, hinzuerfundenen Szenen an. Ihre Inszenierung setzt vor allem auf die eigens komponierte, angejazzte Musik, die 20er Jahre-Flair verbreitet, und auf das Zusammenspiel der stark geschminkten Schauspielerinnen und Schauspieler mit den Puppen (von der kleinen Handpuppe bis zur lebensgroßen Imitation).

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Ganz am Ende bei der Gerichtsverhandlung, als die brisante Frage erörtert wird, ob es sich um einen schuldunfähigen Triebtäter handelt und wie die gerechte Strafe aussehen muss, ist der Theaterabend am nächsten beim Film-Original: Peter Lorres verzweifelter Monolog kommt vom Band, bevor der letzte Song erklingt.

Bilder: © Jesko Doering

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