Tiefer Schweb

Zum ersten Mal seit 15 Jahren inszeniert Christoph Marthaler wieder in München. Mit der Durchsage eines Ausflugsdampfers auf dem Bodensee beginnt sein Musiktheater „Tiefer Schweb“ an den Kammerspielen. Nach wenigen Augenblicken zoomt die Handlung hinab in die Tiefe: in einer Druckluftkammer wurde ein geheimer Ausschuss zusammengerufen. Die erste Stunde besteht aus einer Parodie von Arbeitskreisen und Gremien, deren Mitglieder mehr mit sich selbst als mit dem eigentlichen Beratungsgegenstand beschäftigt sind.

Während die acht Spielerinnen und Spieler (ein Mix aus bewährten Marthaler-Stammkräften wie Olivia Grigolli, Ueli Jäggi oder Jürg Kienberger und Münchner Ensemble-Mitgliedern wie Annette Paulmann oder Stefan Merki) um den Tisch sitzen, schlurft der Abend in echter Marthaler-Manier mit sanfter Ironie und gewohnter Langsamkeit dahin.

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In der zweiten Hälfte wird der Abend mehr und mehr zum Musikkabarett: das Ensemble stimmt Volkslieder und Kirchengesänge aus allen drei Bodensee-Anrainerstaaten (Schweiz, Österreich, Deutschland) an. In einer aberwitzigen Nummer verschneiden sie „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel mit „A whiter shade of pale“ von Procul Harum und der „Fischerin vom Bodensee“, während Hassan Akkouch eine eigenwillige Mischung aus Schuhplattler und Breakdance performt. Anschließend treffen sich die Männer an den Pissoirs und zitieren Heidegger-Traktate, während sie ihr Geschäft verrichten.

Das Publikum lachte begeistert, aber ein roter Faden war in dieser skurrilen Nummernrevue nicht mehr auszumachen.

Bilder: Thomas Aurin

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