Cyrano de Bergerac

Popsongs streute Leander Haußmann in seine Hamburger „Cyrano de Bergerac“-Inszenierung sparsamer ein als gewohnt. Dennoch ist auch dieser Abend wieder ein Theaterfest, das Spaß macht.

Es sind vor allem vier Faktoren, auf die Haußmann bauen kann:
Wie schon bei seinen Shakespeare-Übersetzungen fand Frank Günther auch für die romantische Tragikomödie von Edmond Rostand einen pointierten, saft- und kraftvollen Ton. Klaus Figge hat hervorragende Fechtszenen choreographiert, bei denen z.B. Pascal Houdus und Jens Harzer sehr gekonnt die Klingen kreuzen.
Vor allem sind die beiden Hauptrollen glänzend besetzt: Hier die Titelfigur, der unglücklich verliebte Cyrano, der mit einer viel zu langen Nase verunstaltet ist. Dort der unbekümmerte Schönling Christian, durchtrainiert wie ein Model, aber dumm wie Brot. Jens Harzer und Sebastian Zimmler spielen diese Rollen mit großer Verve und lassen die beiden Figuren trotz aller Komik nie zur Karikatur verkommen.

Ein knappes Jahr nach der Premiere ist der „Cyrano de Bergerac“ ein Publikumshit im Repertoire des Thalia Theaters, der besonders auch für Theatereinsteiger sehr zu empfehlen ist, da er gute Unterhaltung bietet und sein Publikum weder über- noch unterfordert. Jens Harzer, der an diesem mehr als dreistündigen Abend enorme Textmassen zu bewältigen hatte, wurde mit lautem Trampeln von der Bühne verabschiedet.

Dennoch gibt es an diesem sehenswerten Abend auch etwas zu kritisieren. Schon in seinen Inszenierungen am Berliner Ensemble hatte Leander Haußmann regelmäßig damit zu kämpfen, dass seine Inszenierungen zu sehr ausuferten. Seinen „Hamlet“ strich er noch kurz vor der Premiere deutlich zusammen. Auch bei den „Räubern“ justierte er nach einigen Aufführungen und entsprechenden Hinweisen aus Rezensionen und Publikumsgesprächen noch nach und straffte den zweiten Teil, der nach fulminantem Auftakt abfiel.

Auch dem „Cyrano de Bergerac“ am Thalia täte es gut, an der einen oder anderen Stelle zu streichen und zu straffen. Dies gilt sowohl für die ersten zwei Stunden bis zur Pause als auch für den etwas zu melodramatisch geratenen Schluss im Kloster. Dann würde aus einem guten Theaterabend ein herausragender.

Bild: Krafft Angerer

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