Skizze eines Sommers

Mit viel Sympathie besprachen die Feuilletons im Sommer 2016 den Roman „Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek, der es auch auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte. Hauptfigur ist René, der im Sommer 1985 sturmfrei hat, da sein Vater bei den Atom-Abrüstungsverhandlungen in Genf im Zeichen von Glasnost und Perestroika ist.

Der Roman erzählt eine klassische Pubertätsgeschichte vom melancholischen Helden, der gerne Baudelaire liest, sich seinem Weltschmerz hingibt, mit seinen Freunden abhängt und sich nicht zwischen vier Frauen entscheiden kann: Er schwankt zwischen der attraktiven Friseuse Bianca, der Künstlertochter Rebecca, die für die „Einstürzenden Neubauten“ schwärmt und ebenfalls voller Weltschmerz ist, der geheimnisvollen Viktoria, die als „Frau ohne Namen“ anfangs unerreichbar scheint, und Connie, die sich nach der Enttäuschung durch Frauenschwarm Mario dem überforderten René auch noch an den Hals wirft.

Niklas Ritter inszeniert die Coming of Age-Wirren dieser Clique in präzisen, kurzen Szenen. Sein Ensemble wirft sich mit Begeisterung in die 80er Jahre-Hits, die für eine tolle Tonspur des Abends sorgen.

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In den Mittelpunkt spielen sich Frederik F. Günther als René (ganz in schwarz gekleidet, mit bleich geschminktem Gesicht) und Steven Sowah als Frauenschwarm Mario. Aber auch den anderen Spielerinnen und Spielern, die alle von der Filmuniversität Babelsberg »Konrad Wolf« kommen, sieht man gerne zu.

Es könnte ein sympathischer Abend in der Reithalle des Potsdamer Hans Otto Theaters sein, wenn er nicht so furchtbar verqualmt wäre. Die Raucherszenen ziehen sich zwar auch den Roman, für das Publikum wird der beißende Gestank und Qualm auf die Dauer der knapp zwei Stunden aber ziemlich unangenehm.

Bilder: HL Böhme

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