Unendlicher Spaß

Ein beeindruckendes Star-Ensemble versammelte Thorsten Lensing für seine Adaption des ausufernden Wälzers „Unendlicher Spaß“. Nach der Premiere in den Sophiensaelen, die sich ansonsten vor allem auf Performances der Freien Szene fokussieren, wandert der Abend an die koproduzierenden Häuser weiter, darunter erste Adressen wie das Schauspielhaus Zürich. An jeder Station wird der Abend laut Programmzettel nur wenige Tage gastieren.

Wer eine der raren Gelegenheiten nutzen kann, wird virtuose Promis vom Kaliber einer Jasna Fritzi Bauer, eines Sebastian Blomberg, einer Ursina Lardi oder eines Devid Striesow dabei erleben, wie sie eine Nummernrevue von Entwurzelten, Beschädigten und Depressiven aufführen. Das Publikum begleitet die einzelnen Kabinettstückchen glucksend. Wie Simon Strauß in der FAZ aber zurecht einwandte, geraten manche Slapstick-Einlagen zu sehr zur „Selbstkarikierung“ der Schauspielstars, so z.B. die Szene als Sebastian Blomberg als Vogel mit Herzattacke in den Whirlpool von Orin Incandenza (Devid Striesow) stürzt.

Schon in der ersten Hälfte, die mit einem starken Monolog von Jasna Fritzi Bauer als verschleierte Radiomoderation Joelle van Dyne von der „Liga der rüde Verunstalteten und Entstellten“ endet, schleichen sich einige Längen in die Szenen ein, die Lensing gemeinsam mit Thierry Mousset und Dirk Pilz aus dem 1.500 Seiten-Roman herauspräpiert hat, ein. Heiko Pinkowski bringt es bei einem Wutausbruch als Don Gately bei einem Entzugs-Treffen im Ennet House auf den Punkt: diese Aneinanderreihung entgleister Lebensschicksale, die von unmotivierten Qualmszenen begleitet werden, wird auf die Dauer „egal“.

Copyright des Bildes: david baltzer/bildbuehne.de. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.