Phantom

Dem kongolesischen Autor und Regisseur Dieudonné Niangouna eilte der Ruf bildstarker, kraftvoller Inszenierungen voraus. Davon schwärmten die Kritiken nach seinem ersten Auftritt in Europa beim Festival d’Avignon und seinen Arbeiten am Frankfurter Mousonturm, wo er von 2014 bis 2017 Assoziierter Künstler war.

Umso irritierender ist sein Auftritt mit dem Auftragswerk „Phantom“ im Kleinen Haus des Berliner Ensembles. Leise rieseln die Schneeflocken vor der Schwarzwaldkulisse, die Sean Hart an die Rückwand projiziert. Vorne ergehen sich die Schauspieler in vor Pathos triefenden Kommunikationsversuchen.

Auslöser der verschrobenen Dialoge ist das plötzliche Auftauchen von Thomas Herg (Wolfgang Michael) im Anwesen der Familie Zoller. Im Programmheft berichtet Niangouna minutiös, wie er für jedes der fünf Ensemblemitglieder eine Figur entwickelte. Ihm ging es darum, eine Konstellation zu entwickeln, in der Herg als titelgebendes „Phantom“ einige Lebenslügen der Familie Zoller und schmerzhafte Erinnerungen an die Kolonialherrschaft in Kamerun aufdeckt.

Das ist interessant gedacht. Der Abend ist aber eine Enttäuschung. Der raunende Ton der Figuren und ihre schwülstige Kommunikation vor der kitschigen Schneekulisse sind merkwürdig, lassen aber keinerlei gespensterhafte Atmosphäre aufkommen. Der angestregt, aber erfolglos um Poesie bemühte Grundton zieht sich schon durchs Programmheft, in dem von der „Unklarheit der objektiven Normalität“ und davon, dass sich „das Unvorstellbare und das Absurde“ vor unseren Augen berühren.

Wie ein Fremdkörper in der übrigen Inszenierung wirkt die wütende Anklage von Kevin (Patrick Güldenberg), der bis dahin im Pyjama herumgeisterte und nun in Jeans und Shirt wechselte, der seinen erschrockenen Familienmitgliedern Rassismus vorwirft, bevor sich das Geschehen wieder in Harmonie auflöst.

Bild: Matthias Horn

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