Null

Kokett verkündete Herbert Fritsch im Trailer zu „Null“, dass ihm diesmal absolut nichts eingefallen sei. Der Kopf sei leer und dementsprechend bleibt auch die Bühne leer.

Die Fritsch-Familie trippelt auf die Bühne: zu den langjährigen Stammkräften (Florian Anderer, Werner Eng, Ingo Günther, Bastian Reiber, Ruth Rosenfeld, Carol Schuler, Axel Wandtke) und Jule Böwe, die schon bei Fritschs Schaubühnen-Debüt im „Zeppelin“ mit in Bord war, gesellte sich Bernardo Arias Porras. Hier bewies Fritsch ein sehr glückliches Händchen: das schlaksige Schaubühnen-Ensemble-Mitglied fügt sich hervorragend in die Riege der Körperakrobaten ein. Mit großen, staunenden Augen lässt er sich von der eingeschworenen Gemeinde herumdirigieren und liefert sich mit Ruth Rosenfeld ein Mobbing-Duell bei einer Domino-Parodie.

Die ersten Minuten vergehen in typischer Fritsch-Manier. Dadaistische Textfetzen werden wiederholt, Bastian Reiber fühlt sich von den offensiv-ungelenken Choreographie-Versuchen der KollegInnen an „Tanztee“ erinnert, Jule Böwe fürchtet sich vor dem „Tinnitus“ und dem „Beep“. Noch tänzelt der Abend auf der Stelle und droht tatsächlich zur Nullnummer zu werden.

Nach knapp zwanzig Minuten kommt der Abend glücklicherweise zum Schweben. Die ganze Riege klinkt sich an Karabinerhaken ein und vollführt ein Ballett herrlich-schräger Slapstickeinlagen. Sie stürzen ab, bis sie mit der Nasenspitze auf dem Bühnenboden landen, zappeln kurz danach an der Decke. Mit diesen Akrobatik-Nummern gelingen Fritsch das amüsante Herzstück des Abends und Momente zum Schmunzeln, die einen stärkeren Eindruck als sein Volksbühnen-Abschied „Pfusch“ und sein Schaubühnen-Einstand „Zeppelin“ hinterlassen.

Die ersten Bühnenarbeiter kommen schon auf die Bühne, als Ingo Günther und Jule Böwe noch hilflos zappeln und baumeln. Nach der Umbaupause trippeln die Spielerinnen und Spieler zurück und gaffen mit „Hä?“ eine Stange an, an der sich einige von ihnen in skurrillen, mit lauten Quietschtönen untermalten Pole-Dance-Einlagen versuchen. Der Mittelteil verliert sich leider in zu vielen Längen, vor allem die Blasorchester-Parodie wirkt nur wie ein lauer Aufguss des üblichen Fritsch-Repertoires.

Mit einem schönen Schlussbild werden wir nach knapp zwei Stunden entlassen: die überdimensionale Roboterhand und der Gabelstapler, auf dem Axel Wandtke zuvor schon Florian Anderer wie eine Galionsfigur über die Bühne kutschierte, umkreisen sich minutenlang. Die Bühne versinkt in Schwarz, bevor die von Roboterhand und Gabelstapler vertriebenen Akteure zurück auf die Bühne kommen, sich wieder an die Karabinerhaken einklinken und zu einer typischen Fritsch-Applausordnung ein letztes Mal zappeln dürfen.

Bilder: Thomas Aurin

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