7 Tage in Entebbe

Über weite Strecken sehr konventionell erzählt José Padilha seinen Politthriller über die Flugzeugentführung einer Air-France-Maschine nach Entebbe im Sommer 1976. Ins historische Gedächtnis hat sich diese gemeinsame Aktion der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) und der RZ (Revolutionären Zellen) vor allem dadurch eingegraben, dass die israelischen Passagiere vom Rest der Geiseln getrennt wurde – eine zynische Parallele zur Selektion an den Rampen der Konzentrationslager.

Der brasilianische Regisseur Padilha, der mit seinem Drama „Tropa de Elite“ über Gewalt und Korruption einer Militärpolizei-Spezialeinheit in Rio de Janeiro den Goldenen Bären 2008 gewann, machte in den vergangenen Jahren mit einem „Robocop“-Remake und der Netflix-Serie „Narcos“ von sich reden. Das Drama „7 Tage in Entebbe“ erzählt er sehr routiniert, für die 70er Jahre typisch sehr verqualmt und ohne große Überraschungen entlang der historischen Ereignisse. Die beiden größten Stars des Casts bleiben leider blass: Daniel Brühl (als Wilfried Böse) und Ex-Bond-Girl Rosamund Pike (als Brigitte Kuhlmann) spielen die beiden Deutschen im Terror-Netzwerk, die recht bald von den Palästinensern an den Rand gedrängt werden.

Bemerkenswert machen diesen Film, der im Berlinale-Wettbewerb 2018 außer Konkurrenz lief und am 3. Mai in den Kinos startete, vor allem zwei Aspekte: Detailliert zeichnet Padilha die Spannungen zwischen dem damaligen Premier Yizhak Rabin und seinem Verteidigungsminister Shimon Peres. Die beiden wurden 1994 gemeinsam als Friedensnobelpreisträger für das Oslo-Abkommen mit Arafats PLO ausgezeichnet, standen sich 1976 aber als Rivalen mit konträren Ansichten gegenüber. Rabin (gespielt von Lior Ashkenazi) wollte eine Verhandlungslösung ausloten, misstraute aber dem erratischen Diktator von Uganda, Idi Amin, der als Vermittler auf der Weltbühne glänzen wollte. Schon damals träumte Rabin von einer Aussöhnung und einem Abkommen mit den Palästinensern, wofür auch Padilha sehr deutliche Sympathien hegt. Damals setzte sich jedoch sein Gegenspieler Shimon Peres durch, der für den riskanten Sturm auf das Terminal durch Sondereinheiten der israelischen Armee plädierte und damit tatsächlich Erfolg hatte: 102 Geiseln konnten gerettet werden, nur vier Geiseln kamen wie die Geiselnehmer ums Leben.

Der zweite bemerkenswerte Aspekt dieses Films ist das hervorragend choreographierte Ineinanderfließen zweier paralleler Ereignisse. An dieser Stelle verabschiedet sich Padilha von der historischen Wahrheit: er erfindet eine Tänzerin hinzu, die in Orad Naharins „Echad Mi Yodea“ auf der Bühne steht. In dieser Arbeit, die der als „Mr. Gaga“ berühmt gewordene israelische Regisseur 1998 zu Beginn seiner Karriere mit der Batsheva Dance Company einstudierte, geht es um die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei im Alten Testament. Padilha verschneidet Sequenzen dieser Tanzaufführung mit glänzend gefilmten Action-Szenen des Anti-Terror-Einsatzes, bei dem er den Soldaten Zeev Hirsch, den Freund der fiktiven Tänzerin, (gespielt von Ben Schnetzer) ins Zentrum rückt. Der Regisseur verlässt damit zwar das sichere Terrain eines Polit-Thrillers über wahre Begebenheiten, schafft damit aber die visuell und künstlerisch interessante Passage seines Films.

Bilder: © 2018 eOne Germany

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