Fräulein Julie

Tränen der Verzweiflung kullern in Großaufnahme, wie in Zeitlupe wird jeder Handgriff in der Küche zelebriert: Katie Mitchell und Leo Warner machten aus Strindbergs Drama „Fräulein Julie“ bei ihrem Schaubühnen-Debüt von 2010 ein melancholisches, sehr getragenes Kammerspiel. Die 75 Minuten fühlen sich wie mehrere Stunden an.

Über weite Strecken wortlos schleppt sich der Abend dahin. Das bis an die Grenze zum Kitsch gehende, mit tödlichem Ernst vorgeführte, altbackene Drama um Eifersucht und Standesdünkel wird dadurch gebrochen, dass Mitchell/Warner ihre szenische Installation als Live-Film drehen. Technisch ist das sehr aufwändig gemacht, das Herumwuseln der Techniker und Doubles bildet einen starken Kontrast zur Erstarrung von Strindbergs Figuren.

Mitchells/Warners Live-Film-Regiekonzept mag zwar theatertheoretisch interessant sein, die Umsetzung auf der zum Filmset umfunktionierten Schaubühne ist jedoch sehr langatmig geraten.

Bilder: Stephen Cummiskey

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