Sicario 2

Raffiniert wie in einer Serie werden in den knapp zwei Stunden die unterschiedlichen Erzählstränge gebündelt, die im Showdown an der Grenze zwischen den USA und Mexiko kulminieren: dort, wo Schlepperbanden die Flüchtlinge aus Mittel- und Lateinamerika nach Norden schleusen, wo Drogenkartelle ihre Waren schmuggeln und wo Donald Trump eine Mauer bauen will.

Noch düsterer als „Sicario“ erzählt die Fortsetzung „Sicario 2“ (Originaltitel: Sicario: Day of the Soldado) von Brutalität und Skrupellosigkeit in einem schmutzigen Krieg ohne klare Frontverläufe und voller verwickelter Interessen. Der Film trägt deutlich die Handschrift des Regisseurs Stefano Sollima, der mit seiner hervorragenden Mafia-Serie „Gomorrha“ (nach dem Roman von Roberto Saviano) und dem Polit-Krimi „Suburra“ (2015) bekannt geworden ist. Der Film ist temporeich und testosterongeladen. Ungeschminkt zeigt er die Rücksichtslosigkeit seiner Hauptfiguren, die einander wie „Raubtiere“ umkreisen, die Schwächen ausnutzen und zuschlagen. An „Raubtiere“ fühlte sich der britische „Telegraph“ erinnert, ZEIT Online überschrieb damit sogar seine Film-Kritik.

Hildur Guðnadóttir bleibt dem Stil des 2018 verstorbenen Jóhann Jóhannsson, mit dem sie lange zusammenarbeitete, aus dem „Sicario“-Erstling treu und erzeugt mit ihrem hämmernden Soundtrack einen Sog voller Adrenalin, der viel zum Gelingen des bemerkenswerten Polit-Action-Thrillers beiträgt. Ansonsten konnte Sollima auf ein bewährtes Team zurückgreifen, das schon den „Sicario“ von 2015 unter der Regie von Denis Villeneuve prägte: das Drehbuch schrieb wieder der in Hollywood seit „Sicario“ und „Hell or High Water“ hochgehandelte Taylor Sheridan, in den Hauptrollen überzeugen die Stars Benicio del Toro als Auftragskiller Alejandro und Josh Brolin als CIA-Agent Matt Graver, der es mit den Regeln und Gesetzen nicht so streng nimmt.

„Sicario 2“ ist trotz derselben Hauptfiguren und Schauplätze weit genug vom Original entfernt und setzt eigene Akzente, so dass es mehr als ein müder Aufguss eines erfolgreichen Films ist. Man darf gespannt sein, ob dies auch bei dem bereits angekündigten „Sicario 3“ gelingen wird, das mit dem Cliffhanger am Ende des Films vorbereitet wurde.

Bilder-Copyright: Studiocanal GmbH / Richard Foreman, Jr.

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