INOAH

Bruno Beltrão ist für seine Dekonstruktion des Hip-Hop bekannt. In seiner neuen Choreographie „INOAH“, die schlicht nach der Stadt benannt ist, in der seine „Grupo de Rua“ residiert, treibt er das Spiel mit den Erwartungen auf die Spitze. Der knapp einstündige Abend beginnt auf der leergeräumten, spartanisch-strengen Bühne mit geradezu minimalistischen Bewegungen. Seine ausschließlich männlichen Tänzer, die Beltrão in androgyne Hosenröcke von Jayden Smith gesteckt hat, wirken in manchen Momenten wie erstarrt.

Erst im Lauf des Abends nähert sich Beltrão den klassischen Hip-Hop-Moves: unter die androgynen Hosenrock-Träger mischen sich Männer, die halbnackt ihre trainierten Muskeln präsentieren. Drängende Beats und aggressive, hektische Bewegungen bestimmen das Bühnen-Geschehen.

In einer Besprechung des Wiener „Standard“ war zu lesen, dass „INOAH“ leider nur die Schrumpfversion eines größer angelegten Projekts ist. Beltrão wollte seine Tänzer im Stil Ulrich Rasches ursprünglich auf große Laufbänder schicken. Kurz vor der Uraufführung beim Festival „Theater der Welt“ wurde dieser Plan aus Kostengründen gestoppt und von „New Creation“ in „INOAH“ umbenannt.

Wenn die ursprüngliche Konzeption zu verwirklichen gewesen wäre, hätte das Publikum einen wesentlich eindrucksvolleren Abend erleben können. Vor allem in der ersten Hälfte wirkt „INOAH“ zu bleiern und statisch. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Beltrãos angekündigte Auseinandersetzung mit den Korruptionsskandalen in seiner brasilianischen Heimat zu kurz kommt. Die Bewegungen bleiben so abstrakt, dass dieses Anliegen aus den Konfrontationen auf der Bühne kaum noch herauszulesen ist.

Bild 1: Kerstin Behrendt, Bild 2: Bruno Beltrão

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