Moby Dick

Kapitän Ahab, von Hass und Verfolgungswahn zerfressen, manisch dem „Weißen Wal“ hinterherjagend, ist für Jacob Höhne in seiner Deutung des überbordenden „Moby Dick“-Wälzers ein Musterbeispiel für „toxische Männlichkeit“. Dieser Begriff prägte in den vergangenen Monaten die Feuilletondebatten um #metoo und wird in einem Programmheft-Auszug aus dem Buch „Boys don´t cry“ des Briten Jack Urwin ausführlich erläutert. Im Kern geht es um „übertriebenes Verhalten, das darauf abzielt, noch männlicher zu erscheinen, gewöhnlich motiviert durch Unsicherheit und im Allgemeinen weit entfernt vom positiven, echten Ausdruck von Männlichkeit, die es zu imitieren versucht.“

Jacob Höhne, Regisseur und Künstlerischer Leiter des Theater RambaZamba, und sein Dramaturg Steffen Sünkel lassen Ahab und seine Matrosen brüllen, schreien und stampfen. Auf der abschüssigen Rampe finden sie keinen Halt, drängen aber immer weiter, mit dem Kopf gegen die Wand. Für die Hauptrolle des „Ahab“ gewannen sie Matthias Mosbach, der wie Sünkel während der Peymann-Ära am Berliner Ensemble eng mit Leander Haußmann zusammenarbeitete. Wie er als „Baal“ über die Bühne tobte, wie er als Franz Moor Schillers „Räuber“-Bande rockte, ist noch in bester Erinnerung. Im Vergleich dazu tritt er als „Ahab“ wesentlich zurückhaltender auf. Nur in wenigen Momenten kann Ahab wirklich aufdrehen, ansonsten bleibt er fest im Kreis seiner Matrosen verankert, die ganz überwiegend von Ensemble-Mitgliedern des Theaters RambaZamba gespielt werden.

Es ist das erklärte Ziel von Höhne, das für seine Inklusions-Arbeit bekannte Theater RambaZamba zu anderen Institutionen zu öffnen. Diesmal erweist sich die Kooperation mit der Puppenspiel-Gruppe „Das Helmi“ aus dem benachbarten Ballhaus Ost als guter Schachzug. Der Spott, mit dem die Puppen gleich nach der Pause die Geschlechterstereotype kommentieren, gehört zu den witzigsten Passagen eines sehr gut besuchten, aber mit fast 2,5 Stunden etwas lang geratenen Abends.

Bilder: Sarien Visser

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