You are not the hero of this story

„Ich scheine in einem Repräsentationsvortex gelandet zu sein. Nichts was ich sage, ist, was ich sage. Die Codes sind übergelaufen“, lamentiert Mareike Beykirch. Würde man eine Umfrage machen, aus welchem Stück diese Sätze stammen, das Ergebnis wäre vermutlich eindeutig. Eine überwältigende Mehrheit würde auf René Pollesch tippen, in dessen Diskursverwirbelungen die Spieler*innen sich und das Publikum schwindlig reden.

Der Text stammt aber von Lucien Haug und Suna Gürler, die sich im Studio Я auf eine Suche nach Männlichkeits-Bildern gemacht haben: „You are not the hero of this story“! Fünf Spieler*innen (die schon erwähnte Mareike Beykirch, Maryam Abu Khaled, Tahera Hashemi, Elena Schmidt und als Quoten-Mann Karim Daoud) im Einheitslook mit dunklen Anzügen und Schnurrbärten schlüpfen abwechselnd in die Rolle des „Adam“. Auf der schiefen Ebene steht er breitbeinig herum, der Rest nur namenlose Nebenfiguren, ein Chor, der dem Adam gewaltig auf die Nerven geht. Auch dieses Stilmittel ist sichtlich von Polleschs Diskurs-Edelboulevard-Werkstatt inspiriert.

Die schräg abfallende Rampe (Bühne und Kostüme: Christina Mrosek) nutzen die Spieler*innen für körperbetonte Choreographien. Sie schlittern und rutschen, rennen los und kommen erst unmittelbar vor der ersten Reihe zum Stehen. Ein Körpertheater, wie man es von Sebastian Nübling, mit dem Regisseurin Suna Gürler am Gorki schon mehrfach zusammenarbeitete, kennt. Dies ist der zweite zentrale Strang des nur 70 Minuten kurzen Abends.

Als dritte Zutat werden Straßenumfragen mit Männern eingespielt. Sie stammeln sich durch die Frage, was es für sie bedeutet, Mann zu sehen, regen sich auf, dass man heute gar keine Frau mehr ansprechen könne, ohne zu riskieren, sofort an den #metoo-Pranger gestellt zu werden, und dokumentieren ihre Unsicherheit.

„You are not the hero of this story“ hat tolles Material und viele Ideen. Es gibt viel zu schmunzeln. Die Crux des Abends ist, dass die drei Stränge zu wenig verzahnt sind. Die Einspieler stehen unverbunden neben den beeindruckend akrobatischen Choreographien und diese wiederum neben den Streitigkeiten zwischen Adam und seinen Nebenfiguren. Deshalb entsteht leider kein stimmiges Ganzes, aber eine sympathische Versuchsanordnung auf der Studiobühne. Suna Gürlers neue Regiearbeit ist deshalb nicht so überzeugend wie ihr körperbetont-explosives „Stören“.

Bild: Esra Rotthoff

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