König Arthur

Wie es für ein frisch gekürtes „Theater des Jahres“ angemessen ist, startete das Theater Basel mit einem sehr ambitionierten Projekt in die Spielzeit: Schauspiel, Oper und Ballett stemmen gemeinsam die fast vierstündige Barock-Semi-Oper „König Arthur“.

Ewald Palmetshofer, Haus-Dramaturg und Spezialist für Überschreibungen klassischer Stoffe, übernahm eine – für seine Verhältnisse recht vorsichtige – Neufassung der Vorlage von John Dryden und Hernry Purcell. Was damals als pompöse Feier der englischen Monarchie und Bekräftigung nationaler Identität gedacht war, wird in der Basler Version zu einem Appell zu Völkerverständigung und gegen Hass. Alle Menschen sind gleich, beschwört Steffen Höld als Merlin, als er in seinem Schluss-Monolog sein Harlekin-Kostüm ablegt.

Seinen Monolog leitet er damit ein, dass manche im Publikum nun enttäuscht sein mögen, dass die beiden Antagonisten, König Arthur (Elias Eilinghoff) und der Sachse Oswald (Michael Wächter) beide am Boden liegen und es dies nun gewesen sei. Zustimmendes Grummeln ist im Auditorium zu vernehmen.

Tatsächlich ist es die zentrale Schwäche des Abends, dass Stephan Kimmig, bestens bekannt als Hausregisseur am Deutschen Theater Berlin und zuvor mehrfach mit Thalia Theater-Produktionen zum Theatertreffen eingeladen, bei seinem Basler Debüt einen entschiedenen Zugriff vermissen lässt. Anstatt klare Akzente zu setzen und zu verdichten, bietet er eine Inszenierung mit zu vielen Längen.

Der Abend hat eine Reihe starker Bausteine. Die vier Tänzer*Innen der Ballett-Sparte (Javier Rodríguez Cobos, Mirko Campigotto, Frank Fannar Pedersen und Raquel Rey Ramos) treten vor allem in der ersten Hälfte leitmotivisch als traumatisierte, zuckende Opfer der Schlachten auf. Sie integrieren sich glänzend in die Semi-Oper. Auch musikalisch ist der Abend dank des La Cetra Barockorchesters Basel und des Chors des Theaters Basel unter der musikalischen Leitung Christopher Moulds gelungen. Sehenswert sind auch die Soli von Elias Eilinghoff und Michael Wächter, vor allem ihr finales Duell, mit dem der Abend auf die Zielgerade einbiegt.

Daraus wird aber kein überzeugendes Ganzes, zu unterfordert wirken die Schauspieler*innen, zu langatmig schleppt sich das Gesamtwerk dahin.

Premiere in Basel war am 13. September 2018.

Bilder: Sandra Then

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