Blue my mind

Lisa Brühlmann, Zürcher Regie-Absolventin, machte mit einem spannenden Debütfilm auf sich aufmerksam. „Blue my mind“ ist angesiedelt zwischen sozialrealistischem Coming-of-Age-Drama und Fantasy und schlägt dabei einige überraschende Haken.

Der Film beginnt sehr konventionell: Die 15jähige Mia (Luna Wedler) erlebt ihren ersten Tag in der neuen Schule. Ihr Vater hat den – offensichtlich gutdotierten – Job gewechselt, sie muss notgedrungen ihr soziales Umfeld hinter sich lassen und sich nach dem Umzug einleben. Diese Herausforderung ist doppelt schwer, weil sie mit den üblichen Herausforderungen der Pubertät schon genug zu kämpfen hat.

Sehr authentisch erzählt „Blue my mind“, wie Mia um ihre Position in der neuen Klasse kämpft. Das Mädchen aus dem konservativen Elternhaus schließt sich der Clique um die freche Göre Gianna (Zoë Pastelle Holthuizen) an, die fast völlig auf sich gestellt ist, nachdem ihre Mutter einfach in die USA abgehauen ist. Der Film erzählt, wie Mia alles tut, um dazu zu gehören, und dabei auch ein Online-Date mit einem viel älteren Mann verabredet, weil sie sich vor der Pornos konsumierenden, mit ihren Erfahrungen prahlenden Clique schämt, dass sie ihr erstes Mal noch vor sich hat.

Mia betäubt ihre Unsicherheit mit Unmengen an Alkohol, Drogen und wahllosem Sex, vor allem mit Roberto, dem coolsten und sportlichsten Typen ihrer Schule. In das Sozialdrama brechen im Lauf der knapp 90 Minuten mehr und mehr Fantasy-Elemente ein, die in einem Rausch aus Blautönen gefilmt sind: das Mädchen ist völlig verunsichert, als sie neben den gewöhnlichen körperlichen Veränderungen während der Pubertät wahrnimmt, dass ihre Zehen zusammenwachsen und sich Schwimmhäute bilden. An ihrem ganzen Körper breiten sich zunächst Ausschlag, dann Schuppen aus, bis sie sich endgültig zur Meerjungfrau verwandelt hat.

„Blue my mind“ ist ein sensibel erzählter Film über den Selbstfindungsprozess des Erwachsenwerdens und die Entfremdung des Mädchens von ihren Eltern. Im Januar wurde das Debüt, das kino-zeit.de zurecht als eines der stärksten deutschsprachigen Erstlingswerke der vergangenen Jahre einstufte, beim Max Ophüls-Festival für die Beste Regie ausgezeichnet wurde. Bei der Vergabe der Schweizer Filmpreise war „Blue my mind“ der große Konkurrent des ebenfalls sehenswerten Homophobie im Fußball-Dramas „Mario“ und wurde dreifach prämiert: nicht nur als bester Spielfilm, sondern auch Lisa Brühlmann für das beste Drehbuch und Luna Wedler in ihrer ersten Kinorolle als beste Hauptdarstellerin. Vor kurzem kam bereits Wedlers zweiter großer Auftritt als „Das schönste Mädchen der Welt“ in die Kinos.

Bilder: © Daniel Lobos / Tellfilm

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