Don Giovanni. Die letzte Party

Zum Jubiläums-Wochenende „175 Jahre Thalia“ zeigte das Thalia Theater auch seinen zweiten Publikumshit: „Don Giovanni. Die letzte Party“, eine Inszenierung frei nach Mozart des Hausregisseurs Antú Romero Nunes, der bei der Premiere zu den Lessingtagen 2013 noch keine 30 Jahre jung war.

Viele Frauen im Publikum rutschten schon während der ersten anderthalb Stunden nervös auf ihren Stühlen herum, zogen sich auffällig oft den Lippenstift nach und waren schon in Vorfreude auf die Party hinter dem Eisernen Vorhang. Als Sebastian Zimmler in der Rolle des berühmten Verführers der europäischen Kulturgeschichte rief, bildeten sich sofort lange Schlangen von Frauen, die zu den 100 Auserwählten gehören wollten, die auf der von einem Security-Mann abgeschirmten Bühne feiern, während der traurige Rest draußen im Foyer bleiben muss. Mit einem spöttischen Grinsen und Achselzucken zog Zimmler seine rote Linie und wies die Hälfte der Feierwütigen mit einer Strenge ab, die auch der Berghain-Tür Ehre machen würde.

Diese Szene machte „Don Giovanni. Die letzte Party“ zum Kult. Sie fügt sich ein in einen unterhaltsamen, stellenweise etwas zu pubertären Abend, dem noch die Qualität neuerer Nunes-Arbeiten wie „Richard III.“ und „Orpheus“. Die Opern-Adaption, die auf großes Orchester verzichtet und stattdessen mit einer sechsköpfigen, weiblichen Live-Band auskommt, wird vor allem vom gegensätzlichen Duo Don Giovanni/Leporello getragen. In diesen beiden Hauptrollen dürfen Sebastian Zimmler als triebgesteuerter Narziss und Mirco Kreibich als sein nachdenklicherer, gelegentlich mahnender, oft aber auch verschmitzter Diener ihr komisches Talent austoben.

Die weiteren Rollen kommen nicht über Side-Kicks hinaus und sind recht klischeehaft gezeichnet. Am ehesten bleibt noch Karin Neuhäuser als qualmender Tod in Erinnerung, der den Don Giovanni aus seiner letzten Party wegführt.

Die Jubiläums-Vorstellung endete mit einer Party auf der Bühne, an der diesmal alle teilnehmen durften und das Geschlecht keine Rolle mehr spielte. Geburtstagskind Sebastian Zimmler legte als ganz in schwarz gekleideter DJ höchstpersönlich auf.

Bild: Armin Smailovic

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