Thalia Vista Social Club

Im Januar 2001 hat Erik Gedeon wohl selbst nicht damit gerechnet, dass sein Liederabend „Thalia Vista Social Club“ ein derart großer Erfolg werden könnte. Mittlerweile nähert sich der Abend seiner 400. Aufführung: ein Dauerbrenner im Spielplan des Thalia Theaters, eine sichere Bank für den Silvesterabend und auch das passende Stück zum Geburtstags-Wochenende „175 Jahre Thalia Theater“.

Die Original-Besetzung ist noch fast komplett an Bord. Am Klavier sitzt nicht mehr der Regisseur selbst, sondern Dietmar Löffler. Maren Eggert (mittlerweile am Deutschen Theater Berlin) wurde in der Rolle der dementen Ex-Diva, die von ihrem Ruhm als „Die Möwe“ zehrt, von Gabriela Maria Schmeide ersetzt. Die Theater-Promis treten alle unter ihren echten Namen auf und spielen die Insassen eines Pflegeheims im Jahr 2044. Schwester Angelika (Angelika Thomas) behandelt sie mit strengem Blick wie Kleinkinder und versucht, sie mit Klatsch- und Mitmachspielen bei Laune zu halten. Sobald Schwester Angelika ihnen den Rücken zudreht, werden die vor sich hindämmernden Alten munter und rocken eine Nummer nach der anderen.

Victoria Trautmannsdorf spielt eine aufgetakelte ältere Dame, die ihre Kolleg*innen und die Schwester mit Tourette-artigen Beschimpfungen belegt. Stephan Schad und Rainer Piewek liefern sich ein Duell, das in seinen Eskalationsstufen beim Klamauk der derberen Art landet. Die Komik ist ansonsten gehobener Boulevard, der Abend lebt vor allem von den tollen Songs, die das Ensemble aus Publikumslieblingen stampfend performt.

In die Jubiläumsvorstellung am 10. November 2018 schwebten Alicia Aumüller und Oda Thormeyer in schicken Abendkleidern herein. Unmittelbar vor dem Beginn des Stücks riefen sie vom Thalia-Balkon die „Europäische Republik“ aus und verlasen das Manifest von Ulrike Guérot und Robert Menasse – wie an vielen anderen deutschsprachigen Theatern. Als Running-gag baut Frau Schmeide diese angesichts des realen Zustands der EU utopisch anmutenden Projekts ein und wird von Schwester Angelika dafür milde belächelt.

Bild: Arno Declair

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