Sauvage

Ein rauer, ungeschminkter und zutiefst pessimistischer Film ist „Sauvage“, das Debüt des französischen Regisseurs Camille Vidal-Niquet. Drei Jahre lang recherchierte er dafür auf dem Straßenstrich im Pariser Bois de Boulonge.

„Sauvage“ erzählt von der Gewalt der Stricher, die sie sich gegenseitig antun, aber auch vom Sadismus ihrer Freier. Ein schonungsloser Blick, der nur wenige Momente der Entspannung bei den exzessiven Partynächten der fiktiven Hauptfigur Léo bietet. Die Kamera folgt ihm, wie er vom Kollegen Ahd (Éric Bernard) zurückgewiesen wird, mit dem ihm eine ambivalente Freundschaft verband, und wie sein Freier Claude einen Ausweg aus seiner Krise anbietet, den Léo jedoch zurückstößt.

Breiten Raum nehmen die gesundheitlichen Probleme des Strichers ein, der oft gar nicht und wenn doch in einer Notunterkunft in einem besetzten Haus schläft. In der ersten Szene klagt er über seinen Husten, der sich im Lauf des Films zu Tuberkulose mit blutigem Auswurf entwickelt. Die Untersuchung am Anfang ist aber nur ein Rollenspiel: schnell stellt sich heraus, dass der Arzt nicht echt ist, sondern dass ein Finanzbeamter die Praxis eines befreundeten Arztes für die Fetisch-Spiele mit dem Stricher Léo mietete. Auch hier ist keine Hilfe zu erwarten.

Bei der „Semaine de la Critique“ in Cannes, der Off-Sektion junger Talente und wagemutigerer Experimente, wurde Hauptdarsteller Félix Maritaud mit dem Rising Star Award der Louis Roederer Foundation ausgezeichnet. Er trägt diese 100minütige düstere Studie über eine Existenz am Rand der Gesellschaft, es ist sein zweiter großer Kinoauftritt nach seiner Rolle als AIDS-Aktivist Max im Drama „120 bpm“, der 2017 im Cannes-Wettbewerb ausgezeichnet wurde.

Edition Salzgeber bringt „Sauvage“ am 29. November 2018 in einige Kinos.

Bilder: Salzgeber & Co. Medien GmbH

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