Loro – Die Verführten

Wie lebendig das italienische Kino aktuell ist, beweisen Filme wie „Dogman“ von Matteo Garrone und „Lazzaro Felice/Glücklich wie Lazzaro“ von Alice Rohrwacher, die beide im Wettbewerb von Cannes ausgezeichnet wurden. Mit „Loro – Die Verführten“ kommt nun ein weiterer sehenswerter Film aus Italien in unsere Kinos: „Loro – Die Verführten“ zeichnet ein grelles Panorama der italienischen Politik, die Silvio Berlusconi als ewiger Wiedergänger und schmieriger Populist in den vergangenen Jahrzehnten prägte.

Paolo Sorrentino zoomt sich erst langsam an seine Hauptfigur heran. Die Villa auf Sardinien, in die sich Berlusconi vor einem seiner Comebacks zurückgezogen hat, liegt ruhig da. Umso betriebsamer arbeiten sich all die Hofschranzen um ihn herum daran ab, endlich Zugang zu „Ihm“, dem Cavaliere und Strippenzieher, zu bekommen, oder ihren Rang in seiner Entourage zu verteidigen. Die erste halbe Stunde kreist um den Zuhälter Sergio aus der Provinz (Riccardo Scamarcio) und Kira, eine der zahlreichen Geliebten Berlusconis (Kasia Smutniak), die gemeinsam eine rauschhafte Orgie voller Koks und Playgirls organisieren, um auf sich aufmerksam zu machen.

Im weiteren Verlauf fokussiert sich „Loro“ auf das Comeback des Ex-Premiers, der Intriganten und Speichellecker eiskalt abserviert, und wieder Blut leckt, als er einer alten, wahllos aus dem Telefonbuch herausgepickten Frau ein Immobilienluftschloss aufschwatzt, das nie gebaut werden wird. Hinter der öligen Fassade steckt aber doch vor allem eines: ein einsamer, alter Mann, der trauert, weil ihn seine Frau verlässt, und seine narzisstischen Kränkungen hyperaktiv kompensiert.

Die Hauptrolle spielt wieder Toni Servillo, der wichtigste Weggefährte des Regisseurs Paolo Sorrentino, der schon 2008 im sehenswerten Politdrama „Il Divo“ Giulio Andreotti, den unheimlichen Paten der italienischen Nachkriegspolitik, verkörperte.

Die Stärke von „Loro“ sind sein bissiger Humor, die grellen Schlaglichter eines dekadenten Milieus und das glänzende Panorama einer ganzen politischen Landschaft. Die Schwäche der mehr als 2,5stündigen, ausufernden Saga ist, dass sie oft nicht konzentriert genug gearbeitet ist, Erzählstränge anreißt und unvermittelt fallen lässt, nach fulminanten Szenen am Ende zu lau ausfranst. Ursprünglich ist „Loro“ als vierstündiger Zweiteiler angelegt und wurde eigens für den internationalen Verleih um eine Stunde auf einen überlangen Kinoabend gekürzt.

Bilder: © 2018 Gianni-Fiorito DCM

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