Tschapajew und Pustota

Wie ein Rockkonzert beginnt Maxim Didenkos Inszenierung „Tschapajew und Pustota“ vom Praktika Teatr Moskau, die im Rahmen des „Russischen Theaterfrühlings“ mitten im Berliner Spätherbst in der ausverkauften Box des Deutschen Theaters Berlin gastierte.

Recht frei und in von zwei Umbaupausen unterbrochenen drei Stunden tastet sich die Inszenierung an Viktor Pelewins satirischen Roman, der in Deutschland 1999 unter dem Titel „Buddhas kleiner Finger“ erschien und den Bogen von der russischen Revolution bis zur Jelzin-Ära nach dem Auseinanderbrechen der UdSSR spannt.

Spannend ist der visuelle Einfallsreichtum des russischen Gastspiels, das in drei komplett unterschiedliche Teile gegliedert ist: nach dem mit kurzen Monologen aufgelockerten Rockkonzert erleben wir im Mittelteil Mönche in langen Gewändern, die sich mit Laserschwertern über Mystik und Drogenerfahrungen austauschen. Der Schluss taucht fast wortlos zu Wasser-Gymnastik in Badeanzügen ab.

Inhaltlich quillt der Abend über vor Anspielungen von C.G. Jung über Nietzsche und Dostojewskis Raskolnikow bis zur Titelfigur Wassili Tschapajew, einem zu Sowjetzeiten berühmten Kommandeur der Roten Armee im Russischen Bürgerkrieg. Hier wäre es sehr hilfreich gewesen, dem deutschen Pubklikum neben der Übertitelung auch eine kurze Einführung anzubieten, damit man sich zwischen all den angerissenen Motiven russischer Kultur und Geschichte besser zurechtfindet.

Bilder: Daria Trofimowa

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