A Land Imagined

Das klassische Figuren-Arsenal eines Film Noir begegnet uns in „A Land Imagined“ von Yeo Siew Hua: zwei Cops auf der Suche nach einem unter mysteriösen Umständen Verschwundenen, eine Femme Fatale, die hier einen Spielsalon betreibt, und düstere Räume. Leitmotivisch zieht sich eine Treppe in pink-roter Signalfarbe durch den Film, über die alle Beteiligten regelmäßig hinabsteigen.

„A Land Imagined“ ist aber mehr als ein Genre-Film. Yeo Siew Hua zeichnet zugleich ein präzises Bild der sozialen Lage im autoritär regierten Stadtstaat Singapur. Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind die Vorgänge an den Großbaustellen, wo Dumpinglohn-Arbeiter den Sand aufschütten, der aus asiatischen Nachbarstaaten herangekarrt wurde. Das boomende Singapur will dem Meer mit diesen Aufschüttungen weiteres Territorium abringen. In einer paradigmatischen Szene muss der ranghöhere Cop Lok (Peter Yu) hilflos abziehen, da ihm der eingeschüchterte Arbeitssklave mantraartig wiederholt, dass er mit den elenden Arbeitsbedingungen vollauf zufrieden ist. Sein Vorgesetzter steht triumphierend lächelnd daneben.

Ein Kinostart für den Gewinner des Goldenen Leoparden in Locarno 2018 ist noch nicht in Sicht. In seiner Mischung aus politischem Engagement und künstlerischer Ambition und mit seinen düster-verwachsenen Traumsequenzen passt „A Land Imagined“ gut in das Profil des „Around the World in 14 films“ in der Kulturbrauerei, wo er an den beiden vergangenen Abenden lief.

Bild: © Akanga Film Productions, Films de Force Majeure

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