Genesis

Das Coming-of-age-Drama „Genesis“ des Franko-Kanadiers Philippe Lesage war ein Geheimtipp und Publikumsliebling in Locarno 2018. Zu wunderschöner Pop-Musik erzählt der Film vom parallelen Erwachsenwerden von zwei Geschwistern:

Der schlaksig-arrogante Guillaume (Théodore Pellerin) ist seinen Mitschülern im Internat überlegen und lässt sich dies deutlich anmerken. Auf Partys bleibt er Außenseiter, die homoerotischen Gefühle für seinen besten Freund, die er in einer etwas kitschigen Rede vor der ganzen Klasse gesteht, werden nicht erwidert und machen ihn erst recht zum Outlaw in diesem patriarchalen Internat, aus dem er schließlich nach einem Missbrauchs-Vorwurf hinausgeworfen wird.

Seine Schwester Charlotte (Noée Abita) ist von ihrem Freund gelangweilt und beginnt eine Affäre mit einem wesentlich älteren Mann, der nur mit ihr spielt und sie demonstrativ betrügt.

Diese beiden melancholisch-traurigen Pubertäts-Erzählstränge erzählt Lesange sehr einfühlsam, mit akribischen Details und gemächlichem Tempo.

Kurz vor Schluss der 130 Minuten brechen die beiden Geschichten plötzlich ab. Lesage greift unvermittelt sein jugendliches Alter ego Felix (Édouard Tremblay-Grenier) aus seinem früheren Film „The Demons“ wieder auf: Er steht noch am Anfang seiner Pubertät und erlebt im Pfadfinder-Zeltlager seine erste Verliebtheit. Die vorsichtige Annäherung an Beatrice ist die einzig positive Liebesgeschichte in diesem Coming of Age-Drama und ist damit der hoffnungsvolle Gegenpol zu den Enttäuschungen der beiden Geschwister Guillaume und Charlotte.

Das unspektakuläre, aber liebenswerte und vor allem mit seinem Soundtrack überzeugende Drama „Genesis“ ist heute noch ein zweites Mal beim „Around the World in 14 films“-Festival in der Kulturbrauerei zu sehen und hat bisher keinen Kinostart.

Bild: © Alibi Comunications

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