Fahrenheit 11/9

Mit einer steilen These mischt sich Michael Moore, Dokumentarfilmer und Aktivist, in die politische Debatte ein. Aufnahmen von Trump und Hitler flimmern abwechselnd über die Leinwand. Der US-Präsident könnte sich auf einen Katastrophenfall oder eine Notstands-Situation berufen und die Checks and Balances der US-Verfassung dauerhaft außer Kraft setzen, warnt Moore.

In den knapp zwei Stunden bis dahin zeichnet Moore ein Bild der aktuellen Lage in den USA: Die Siegesgewissheit des Clinton-Lagers kurz vor der Wahl wirkt wie von einem anderen Stern, liegt aber gerade mal zwei Jahre zurück. Moore zeichnet das Bild eines Mannes, der nur zufällig in die Präsidentschaftskandidatur reingestolpert ist: Damit wollte er nur seinen Marktwert im Vertragspoker mit NBC in die Höhe treiben, spekuliert Moore.

Wie konnte Trump nur Präsident werden, obwohl seine Schwächen und seine Rüpelhaftigkeit offen zu Tage lagen, fragt sich Moore kopfschüttelnd? Seine Reise führt ihn zurück in seine Heimatstadt Flint/Michigan, wo bleihaltiges Trinkwasser für eine Häufung von Krankheitsfällen sorgte. Moore staunt, wie einfach der republikanische Gouverneur Rick Snyder, der bei der Wahl im Herbst 2018 wegen der Amtszeitbegrenzung nicht wieder antreten konnte und von einer Demokratin abgelöst wurde, die Proteste aussitzen konnte. Wütend macht Trump aber auch die Zahnlosigkeit von Ex-Präsident Barack Obama, der bei einer Reise nach Flint so tat, als ob er das Leitungswasser trinken würde und sich damit demonstrativ auf die Seite des Gouverneurs stellte, und des gesamten demokratischen Establishments.

Moore macht sich deshalb auf die Suche nach neuen Hoffnungsträgern im linken Spektrum. Fündig wird er bei den Schüler*innen von Parkland, die nach dem Massaker vom Februar 2018 strengere Waffengesetze forderten und landesweite Proteste mobilisierten. Oder bei Alexandria Ocasio-Cortez, einer jungen Latina aus der Bronx, die im Herbst wenige Wochen nach der Premiere des Films in Toronto in den US-Kongress gewählt wurde.

Omnipräsent ist während des Films wieder mal Moore selbst, der gewohnt meinungsstark polemisiert, längst nicht für alle gewagten Thesen auch Belege liefert und mit seinem ins Bild drängenden Narzissmus polarisiert. Im Zweifel lieber mit dem Holzhammer als mit dem Florett und – auch wenn seine Masche nicht mehr neu ist – gewohnt unterhaltsam rechnet Moore mit Trump ab.

Pünktlich zum Kinostart am 17. Januar 2019 wurden Donald Trump und seine Melania für eine „Goldene Himbeere“ als schlechteste Darsteller des Kinojahres nominiert.

Bilder: © Midwestern Films LLC_All rights reserved

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