Hase Hase

Mitte der 1980er Jahre war die erfolgreichste Zeit der Regisseurin und Autorin Coline Serrau. Mit „Drei Männer und ein Baby“ landete sie 1985 einen Kino-Hit voller Situationskomik und Esprit, der mit drei „Césars“ ausgezeichnet wurde. Im Jahr darauf erschien ihr Theaterstück „Hase Hase“, das von ihrem damaligen Lebensgefährten Benno Besson uraufgeführt wurde.

Im Oktober 1992 wurde auch die deutschsprachige Erstaufführung von „Hase Hase“ zum Hit. Die Zuschauer*innen strömten in die Vorstellungen mit Ursula Karruseit (als Mama Hase) und Katharina Thalbach (als Nesthäkchen Hase Hase), was sicher auch daran lag, dass das Schiller-Theater im Sommer 1993 vom damaligen Kultursenator Roloff-Momin geschlossen und abgewickelt wurde.

Knapp drei Jahrzehnte später steht wieder eine „Hase Hase“-Aufführung im Schillertheater an. Das traditionsreiche Haus dient als Übergangsspielstätte für die Komödie am Kudamm, die von Investoren aus ihrem Domizil in Bestlage gedrängt wurden: auch das ein trauriges Kapitel Berliner Kulturpolitik. Regie führt diesmal die Autorin Coline Serrau selbst.

Eine Konstante zu damals: das Nesthäkchen „Hase Hase“ spielt wieder Katharina Thalbach. Sie ist der Publikumsliebling und trägt den Abend. Irgendwo zwischen frechem Kobold und sommersprossigem Sams springt sie so quietschvergnügt durch den Abend, dass man kaum glauben mag, dass sie mit 65 gerade ein Alter erreichte, in dem andere nur noch an den Ruhestand denken, und an einer Magen-Darm-Grippe litt.

Das Stück „Hase Hase“ ist leider nicht das Pointenfeuerwerk, das starkes Boulevardtheater á la Yasmina Reza ausmacht. Die Idee, von einem älteren Ehepaar zu erzählen, dass sich statt der erhofften Ruhe plötzlich in einer zum Matratzenlager umfunktionierten Wohnküche wiederfindet, ist nett und produziert viele Szenen zum Schmunzeln. Aber so richtig zündet der Abend um die Kinder (u.a. gespielt von Katharina Thalbachs Tochter Anna und Enkelin Nelly) und die einsame, schwerhörige Nachbarin (Johanna Schall), die alle bei Familie Hase einziehen, nicht.

Bemerkenswert macht die Aufführung vor allem, dass fast alle Spieler*innen miteinander verwandt und verschwägert sind: ein theaterbegeisterter Familienclan erzählt uns die sympathische Geschichte von einer Arbeiterfamilie, die in schwierigen Zeiten etwas enger zusammenrückt.

Bilder: Franziska Strauss

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