Besetzungscouch

Die stärksten Passagen hat das dritte Musikkabarett-Programm des Duos Kaiser & Plain am Ende: Die Wut, mit der Virginia Plain gegen die #metoo-Übergriffe auf den Besetzungscouches ansingt, die so lange zum Film- und Theaterbusiness dazugehörten, bleibt in Erinnerung. Ihr kraftvolles „Nein heißt Nein“ hallt nach. Ein zweiter Glanzpunkt des Abends ist der melancholische „Malediva“-Song „Dageblieben“ über die Höhen und Tiefen einer Beziehung und das Festhalten und Weiterkämpfen. Dieser Song von Kaiser & Plain, zwei Newcomer*innen der Berliner Kleinkunstszene, ist auch eine Hommage an das großartige „Malediva“-Duo, das leider nicht mehr auf die Bühne zurückkehren wird.

Im Stil von „Malediva“ oder „Pigor & Eichhorn“ frotzeln und sticheln sich Virginia Plain und ihr Partner David Kaiser durch den Abend. Die Pointen geraten ihnen dabei aber – gemessen an den großen Vorbildern – oft zu gewollt und platt.

„Besetzungscouch“-Abend ist dramaturgisch recht geschickt gebaut und erzählt ironisch von den Schwierigkeiten, sich in der Kleinkunstszene durchzubeißen. In der Not nehmen Künstler*innen da schon mal den Auftrag an, mit einer Schlager-Playback-Nummer eine Matratzen-Verkaufsshow zu begleiten, wie eine Nummer satirisch vorführt.

Im Lauf des Abends erhält Virginia Plain einen Anruf von einem obskuren Bob, der sie mit dem Versprechen auf eine große Show-Karriere in Las Vegas ködern will, dafür aber sexuelle Gefälligkeiten erwartet. Anfangs ist sie euphorisch wegen der Chance ihres Lebens, schleudert ihm aber ein entschiedenes Nein entgegen.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt dieser Abend, weil die sächselnde Virginia Plain keinerlei Berührungsängste kennt und ihrem Publikum zu oft allzu nah auf die Pelle rückt. Es ist auch nicht ersichtlich, warum ihr Kollege David Kaiser die kleine BKA-Bühne im Kreuzberger Dachgeschoss ohne jeden dramaturgischen Grund sinn-, respekt- und geistlos zuqualmt.

Bild: Sven Ihlenfeld

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