Der verlorene Sohn – Boy Erased

Die Camps, in den Teenager*innen und junge Erwachsene mit fragwürdigen Methoden von ihrer Homosexualität „geheilt“  und „umgepolt“ werden sollen, treiben das US-amerikanische Kino derzeit um.

„The Misedsucation of Cameron Post“, ein Sundance-Hit 2018, schaffte es bisher leider nicht die deutschen Kinos und lief nur auf Festivals wie in München und bei „Unknown Pleasures“ in Berlin. Der zweite Film zum Thema, „Boy Erased“, wird am 21. Februar 2019 unter dem Verleihtitel „Der verlorene Sohn“ starten und hat dies wohl vor allem seiner hochkarätigen Besetzung zu verdanken.

Nicole Kidman und Russel Crowe spielen ein Paar im Bible Belt: sie das stille Mäuschen im Hintergrund, das alle Entscheidungen abnickt und sich erst spät emanzipiert, er einen gottesfürchtig-linientreuen Prediger, dem noch viel später Zweifel kommen, ob er auf dem richtigen Weg ist. Im Zentrum des Films steht ihr Sohn Jared Eamons (gespielt vom vielbeschäftigten Jungstar Lucas Hedges). Basierend auf der Autobiographie „Boy Erased: A Memoir“ von Garrard Connolly zeichnet Regisseur Joel Edgerton die Geschichte des Teenagers nach, der auf dem College von einem Kommilitonen (Joe Alwyn) verführt und vergewaltigt wird.

Als die Eltern Gerüchte von Jareds homosexueller Neigung erfahren, holen sie sich Rat bei anderen Predigern und melden ihren Sohn zu einer Konversionstherapie im „Love in Action“ an. Die Rolle des frömmelnden Drill-Instructors Victor Sykes, der laut Abspann mittlerweile mit seinem Ehemann in Texas lebt, übernahm Regisseur Edgerton selbst.

Der Film fokussiert sich auf die brutalen Methoden, mit denen die Jugendlichen unter Gruppendruck gesetzt und vorgeführt werden. Prominent sind auch die Nebenrollen der weiteren Therapie-Teilnehmer besetzt. der kanadische Ausnahmeregisseur Xavier Dolan und der australische Musiker Troye Sivan spielen Jon und Gary, die Jared wertvolle Tipps geben, wie er die Zermürbungsstrategien überstehen kann.

„Der verlorene Sohn“ ist ein konventionell erzählter Film, der sich mit einer klaren Botschaft in die politische Debatte einmischt: Die Konversions- oder Reparativtherapien sind mittlerweile in 13 US-Bundesstaaten verboten, Vorreiter war Kalifornien im Jahr 2012. In Deutschland wurde ein entsprechender, von Volker Beck initiierter Gesetzentwurf 2013 abgelehnt.

Bilder: Focus Features

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