Yuli

Als „Biopic-Ballett“ hat das US-Fachmagazin „Variety“ den Film „Yuli“ der Spanierin Icíar Balaín bezeichnet.

In seinen schwächeren Momenten ist „Yuli“ tatsächlich nur ein konventionelles Biopic, das den Weg von Carlos Acosta vom schwarzen Jungen, der in prekären Verhältnissen in Havanna aufwächst, zum Solo-Star des britischen Royal Ballet nachzeichnet.

Bemerkenswert an Acostas Weg ist, dass er – ganz im Gegensatz zur Hauptfigur im „Billy Elliot – I will dance“-Melodram von Stephen Daldry – als Jugendlicher viel lieber mit seinen Kumpels kicken und bei seiner Familie bleiben möchte als den Drill der Ballett-Akademie über sich ergehen zu lassen.

Carlos schwänzt die Stunden, wann immer es geht. Die Nachbarsjungen mobben ihn als „schwul“, in ihrer engstirnig-homophoben Weltsicht ist Tanz nichts für einen „echten“ Mann. Sein Vater Pedro ist das weibliche Pendant zu den berüchtigten Eislaufmüttern: er treibt seinen Sohn mit deutlich mehr Peitsche als Zuckerbrot zum Training an, seitdem er bei einer Breakdance-Einlage das Talent von Carlos entdeckt hat. Santiago Alfonso hat die undankbare Aufgabe, diesen sehr unsympathischen Zeitgenossen zu verkörpern, der fast über Leichen geht, nur um dafür zu sorgen, dass sein Sohn den sozialen Aufstieg schaffen kann. Sein Sohn soll sich wie der Kriegsgott durchkämpfen, dem zu Ehren er Carlos „Yuli“ ruft.

Der Film von Icíar Bollaín, die dem deutschen Kinopublikum vor allem durch „Und dann der Regen/También la lluvia“ (2011 auf der Berlinale) und „El Olivo/Der Olivenbaum“ (2016) bekannt sein dürfte, ist über weite Strecken etwas zu pathetisch und langatmig geraten. Dies ist die entscheidende Schwäche des Drehbuchs von Paul Laherty, der jahrzehntelang vor allem mit Ken Loach zusammenarbeitete und mit Bollaín nach „El Olivo“ zum zweiten Mal kooperiert.

Die Stärke des Films sind die eindrucksvollen Tanzszenen, die Aléx Cataláns Kamera glänzend einfängt und die Mitglieder von Carlos Acostas Compagnie nach einer Choreographie von María Rovira performen. Besonders ist hier Mario Sergio Elías (oben rechts am Boden kniend) hervorzuheben, der das jugendliche Alter ego des mittlerweile 45jährigen Acosta verkörpert.

„Yuli“ hatte 2018 beim Festival in San Sebastian Premiere und startete am 17. Januar 2019 in den deutschen Kinos.

Bilder: Piffl Medien

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