A rosa azul de Novalis

Eine der skurrilen Sumpfdotterblüten auf der bunten Wiese des Forums ist der Essay-Film „A rosa azul de Novalis“ des brasilianischen Duos Gustavo Vinagre und Rodrigo Carneiro.

Marcelo Diorio, der Protagonist des Films, empfängt das Publikum in ungewöhnlicher Position und bietet der Kamera Einblicke, die sonst seinem Urologen vorbehalten sind. Die Filmemacher begründen dies mit einem queerpolitischen Statement: „Mit A rosa azul de Novalis wollten wir es dem Zuschauer ermöglichen, in das Innere der Hauptfigur unseres Films einzutauchen, in seine Erinnerungen, Ängste und seine Sehnsüchte. Aus diesem Grund beginnt der Film mit dem Arschloch, das im weiteren Verlauf immer wieder auftaucht. Viele Menschen halten dieses Loch für obskur, uns gewährt es Zugang zu unserem Protagonisten. Das Bild des Arschlochs in dieser Form sichtbar zu machen, ist notwendig, weil auf Analverkehr in acht Ländern dieser Welt die Todesstrafe steht und weil er in mehr als achtzig Ländern mit lebenslanger Haft geahndet werden kann.
Dabei ist das Arschloch ein Körperteil, das Erregung und Lust erzeugen kann und sich, da es nicht der menschlichen Reproduktion dient, dem traditionellen System der Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht entzieht. Es ist ein Ort, der es erlaubt, anders und aus neuen Perspektiven über den menschlichen Körper nachzudenken. Der Arsch ist demokratisch, jeder hat Zugang zu ihm, und jeder hat seinen eigenen.“

In den kommenden 70 Minuten kommt der Film allerdings nicht über ein banales Plauderstündchen des narzisstischen, HIV-positiven Mannes. Assoziativ erzählt er von seinen Sexdates, zeigt sich am Ende noch 2x live in Aktion und schwadroniert ansonsten vor allem über seine Vorliebe für Astrologie und Wiedergeburt. Wir erfahren zum Beispiel, dass er sich für eine Wiedergeburt eines mongolischen Heerführers im Mittelalter und des Dichters Novalis hält. Der Protagonist ist allerdings eine derart uninteressante Figur, dass viele im Publikum während der Pressevorführung lieber mit ihrem Handy hantierten oder das Weite suchten.

Bild: © Carneiro Verde

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