Skin

Das packende Drama „Skin“ lebt ganz von der Performance seines Hauptdarstellers: Jamie Bell könnte von seinem Debüt als tanzbegeisterter Teenager Billy Elliott kaum weiter entfernt sein als mit dieser Verkörperung des Neonazis und „White Supremacy“-Fanatikers Bryon Widner.

Damals, 2000, fiel der junge Brite als graziler, sensibler Balett-Afficionado auf, der sich mit einem Wohlfühlfilm von Stephen Frears in die Herzen spielte. Knapp zwei Jahrzehnte schlüpft er in die abstoßende Rolle eines bulligen Gewalttäters, zwanzig Kilo mehr auf den Rippen, am ganzen Körper mit Tattoos übersät, so dass er oft mehr als drei Stunden in der Maske verbringen musste.

Der israelische Regisseur Guy Nattiv wurde 2012, als sich Obama gerade um eine zweite Amtszeit bewarb, auf einen Zeitungsartikel über Bryon Widner aufmerksam. Der Film beschreibt, wie der orientierungslose junge Mann in seine Wahlfamilie hineinwächst und sich radikalisiert, bevor er den Entschluss fasst, auszusteigen. Treibende Kraft ist hier vor allem seine Frau (Danielle MacDonald), die sich schon länger aus der Szene abkapselt und um ihre drei Töchter fürchtet.

Die eindrucksvollsten, regelrecht schmerzhaften Szenen sind die Großaufnahmen der zahlreichen Sitzungen, bei denen Widners Tattoos (Hakenkreuze, etc.) entfernt wurden und die Konfrontation mit den Anführern seiner Gang (Bill Camp und Vera Famiga), die mit aller Gewalt verhindern wollen, dass er aussteigt.

„Skin“ ist dramaturgisch nicht besonders ausgefeilt und abgesehen von einigen Rückblenden und Zeitsprüngen recht konventionell erzählt, aber ein spannendes Zeitdokument über die ultrarechte Szene in den USA.

Bei der Berlinale wurde „Skin“ im Panorama zweitverwertet, die Premiere fand bereits im September 2018 in Toronto statt.

Bild: Internationale Filmfestpiele Berlin

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