If Beale Street could talk

Ein junges, frisch verliebtes, schwarzes Paar zieht in die erste gemeinsame Wohnung, ein Künstler-Loft im Village, wo Fonny (Stephan James) Skulpturen schafft. Rassismus und Polizeiwillkür machen dem Paar einen Strich durch die Rechnung: Fonny wird, obwohl er am anderen Ende der Stadt war, wegen einer angeblichen Vergewaltigung verhaftet. Die junge Puertoricanerin wurde so lange unter Druck gesetzt, bis sie ihn zu Unrecht als Täter identifizierte.

Der Roman-Bestseller „If Beale Street could talk“ von James Baldwin (1974) erzählt die Liebesgeschichte von Tish und Fonny und die vergeblichen Versuche der Familie, den unschuldig Inhaftierten frei zu bekommen. Schlüsselszenen der mit zahlreichen Rückblenden arbeitenden, nicht linear erzählten Verfilmung spielen im Gefängnis-Besucherraum. Das Paar kann nur durch abgehörte Telefone und durch eine Glaswand getrennt miteinander kommunzieren.

Stilistisch knüpft Barry Jenkins an die Jahrzehnte zurückliegende Blütezeit des klassischen Hollywood in den 1940er und 1950er Jahren an: „Beale Street“ bietet großes Gefühlskino mit sorgfältig orchestrierten Bilder in getragener Langsamkeit. Dabei setzt er aber starke eigene Akzente: In einem SZ-Interview beschreibt er seine Technik, bei der seine Figuren in manchen Einstellungen zu fast bewegungslosen Tableux vivants einfrieren lässt, unterlegt von Screwed & Chopped-Musik, zeitlupenartigen Remixen aus dem Südstaaten-Hip-Hop.

Die Filmhandlung ist zwar zeitlich klar Anfang der 1970er Jahre verortet und wurde in Harlem an Originalschauplätzen der Romanvorlage gedreht. Die Bezüge zur Gegenwart sind aber brennend aktuell: Jenkins geht es in seiner Hommage an den von ihm verehrten Schriftsteller James Baldwin auch darum, in der Ära Trump und in der „Black Lives Matter“-Bewegung ein klares Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze zu setzen. Unter der Oberfläche der sehr zart und elegisch erzählten Liebesgeschichte kocht die Wut von Autor Baldwin und Regisseur Jenkins, der mit seinem Überraschungshit „Moonlight“ 2017 schlagartig bekannt wurde und überraschend den Oscar in der Königsklasse als „Bester Film“ erhielt.

Bei der aktuellen Oscar-Verleihung 2019 lief es für Jenkins nicht so gut: in der Königsklasse wurde „If Beale Street could talk“ komplett übergangen, unter den Nominierten waren stattdessen einige Flops. Nur Regina King erhielt einen Oscar (und zuvor auch einen Golden Globe) als beste Nebendarstellerin. Sie spielt Sharon, die Mutter von Tish, die sich intensiv für die Freilassung des Schwiegersohns einsetzt. Auch bei der Premiere in Toronto gab es für „Beale Street“ nur den zweiten Platz hinter „Green Book“ beim Publikums-Ranking.

„Beale Street“ startet am 7. März 2019 in den deutschen Kinos

Bilder: ©Tatum Mangus Annapurna Pictures DCM

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