der tempelherr

Der junge österreichische Dramatiker, der sich hinter dem Pseudonym Ferdinand Schmalz verbirgt, ist der Spezialist für das Groteske in der Theaterszene.

Als Auftragswerk für die „Frankfurter Positionen“ und die Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin schrieb er „der tempelherr – ein Erbauungstück“ über ein Paar, das einem Trend folgt und sich aufs Land zurückzieht. Heinar träumt davon, sich dort mit einem großen Bauprojekt selbstzuverwirklichen. Zum Entsetzen der Einheimischen baut der Eindringling nicht etwa ein typisches Eigenheim, das sich nahtlos in ihre Nachbarschaft einfügt, sondern einen Tempel im Stil der griechischen Antike. Noch misstrauischer werden die Nachbarn, als Heinars Frau Petra ein Kind zur Welt bringt, das halb Mensch und halb blutsaugendes Insekt, eine Bremse, ist. Zwangsläufig endet der Tempelbau in einer Katastrophe: die Familie zerbricht und Heinar ist am Ende wie vom Erdboden verschluckt.

Der Plot ist so herrlich-schräg wie von Schmalz aus früheren Stücken wie „am beispiel der butter“, „dosenfleisch“, „der herzerlfresser“ oder „der thermale widerstand“ gewohnt. Sein überbordender Metaphernreichtum und seine Sprachgewalt werden diesmal aber schmerzlich vermisst. Der in jambischen Versen geschriebene Text bleibt recht matt und erschöpft sich in Rückblenden: Heinar ist der große Abwesende. Witwe Petra (Natali Seelig), Schwiegervater Kurt (Harald Baumgartner) sowie die „Zaungäste“ genannten Nachbarn Markus (Bernd Moss), Christina (Linn Reusse) und Thomas (Edgar Eckert) umkreisen ihn in ihren assoziativen Erinnerungen.

Philipp Arnold, seit 2015 Regieassistent am DT und 2017 mit der starken Fassbinder-Adaption „Tropfen auf heiße Steine“ aufgefallen, beginnt den Abend sehr vielversprechend mit langen Kamerafahrten (Video: Sebastian Pircher) durch eine Theater-Ruine, die Spieler*innen stecken in Kostümen von Julia Dietrich, die Rokoko-Mode und Neandertaler-Fell in skurriler Fantasy-Manier kombinieren, und staksen durch eine aus den Fugen geratene Trümmerwelt (Bühne: Viktor Reim).

Die 80 Minuten bieten einige nette Einfälle: Die RTL-Serie „Bauer sucht Frau“ wird kurz parodiert, was aber nicht weiter verfolgt wird. Die Einheimischen tragen Alien-artige Masken, aber auch dieser eindrucksvolle Kostümeffekt wird verschenkt.

Das Hauptproblem des Abends ist, dass die Textvorlage nicht trägt: die Groteske will einfach keinen richtigen Sog entfalten. Zu statisch kämpfen sich die fünf Spieler*innen durch die wenig funkensprühende Vorlage.

Bild: Arno Declair

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