James Hersey

Der Radio-Superstar und Anti-Rockstar James Hersey geht mit seinem neuen Album „Innerverse“ auf Tournee. Der Auftakt in Berlin ist ein Manifest der Verunsicherung in einer Welt, die keinen Halt mehr gibt.


Extrem angespannt und nervös betritt Hersey die Bühne – nur phasenweise flaut die Anspannung ab. Erster Gig der Solo-Tour mit neuem Album, so die Erklärung. Aber es ist vielmehr als das. Es ist der Versuch sich als authentischer Musiker und emotionaler Mensch zurecht zu finden in einer Welt, die nur auf Show und Performance setzt – und in einer Stadt wie Berlin, in der echte Gefühle kaum mehr existieren. James Hersey aber ist keine Performance, keine Show. Er ist echt und kann und will sich nicht verstellen. Real for you – einer seiner bekannteren Songs.


Und er muss alle Konsequenzen der Authentizität ertragen: Er ist alleine auf der Bühne, der Klub ist nicht ausverkauft, der Geräuschpegel der hinteren Reihen ist gut zu hören und irgendwie warten alle nur auf den Hit. Auf die Aufforderung bei anderen Songs, wer den Text kenne möge mitsingen, folgt nur verhaltenes Echo.


James Herseys Auftritt ist aber so viel mehr als dieser eine Superhit „Miss you“, den er als letzte Zugabe spielt und es muss einem jeder leid tun, der nur wegen des Hits zum Konzert kam.


Geradezu wohltuend ist da Herseys offener Umgang mit seiner Nervosität, sein Fokus auf die Gefühle, die die Grundlage seiner Songs sind. Er beschreibt, wie er Songs für Freundinnen oder mit Freunden geschrieben hat. Wie schmerzhaft ein Trennungssong war, den er dann abbricht bevor er ihn beginnt. Dabei fährt er sich oft nervös durch seine dunklen Haare. Man möchte es ihm gleich tun. Vor allem möchte man ihn aber in den Arm nehmen und sagen: „Hey, relax! Deine Musik, deine Stimme ist so wundervoll – du bist so wundervoll, zweifele daran nicht!“ Nicht eine Sekunde zweifle ich an diesem Dienstagabend im Musik und Frieden an James Hersey. An dieser einzigartigen Stimme, die unverstellt das emotionale Innenleben eines Menschen widerspiegelt und dabei so fragil und gleichzeitig so klar ist.

Mit der Hoffnung und dem Wunsch, dass dieses neue Album, diese Tour und der Auftakt in Berlin der Anfang von etwas Neuem und Schönem sein soll, entlässt er seine Zuhörerinnen in die Berliner Nacht. Bevor sie den Klub verlassen bekommen alle, die wollen, am Merchandise-Stand noch ein Autogramm und eine Umarmung und ganz besondere Fans auch die Telefonnummer. James Hersey, ein Musiker, der sich nicht abgrenzt, sondern voll hingibt. So schwer das auch sein mag. Und da kann man auch schon mal nervös werden.

Bild: Julia Schimeta

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