ugly duckling

Einen guten Mix aus Glamour und Nachdenklichkeit bieten Bastian Kraft und sein Ensemble in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin.

Für „ugly duckling“ brachte der Regisseur zwei Welten zueinander: drei Drag Queens, die regelmäßig in Berliner Szene-Bars und Kleinkunst-Theatern auftreten, und drei Spieler*innen aus dem Ensemble des Deutschen Theaters. Gemeinsam nehmen sie an den Schminktischen der sich langsam drehenden Garderobe Platz, die Peter Baur für diesen Abend geschaffen hat, und beginnen mit ihrer Verwandlung: aus alltäglich gekleideten Menschen werden schillernde Kunstfiguren mit aufgeklebten Wimpern, ausladenden Kleidern mit langen Schleppen und Pailetten.

Die Drag Queens erzählen autobiographisch von den Momenten, in denen sie sich in ihrer Umgebung so fehl am Platz fühlten wie „Das hässliche Entlein“ in Hans Christian Andersens berühmtem Märchen, auf das der Abend ebenso wie auf „Die kleine Meerjungfrau“ leitmotivisch zurückkommt. Nicht immer lief die Verwandlung zum schönen Schwan wie bei Jade Pearl Baker, die vor Jahren im Urlaub mit Travestie experimentierte und flapsig berlinernd erzählt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Sie hat die tollste Stimme des Abends, trat 2017 bei der Casting-Show „The Voice of Germany“ auf und ist regelmäßig bei Late-Night-Shows im BKA-Theater in Kreuzberg zu erleben.

Wesentlich mehr hatte Gérôme Castell zu kämpfen, die in den 1980er Jahren eine der Pionierinnen der Berliner Travestie-Szene war. Sie berichtet vom Mut, den sie aufbringen musste, von ihrem Doppelleben zwischen ödem Bürojob und Travestie-Underground-Auftritten und von dem brutalen Überfall, bei dem sie vor einigen Jahren beinahe ihr Augenlicht verlor und anschließend lange unter Depressionen litt.

Für Judy LaDivina war die Welt der Travestie eine große Befreiung: sie kam vor einigen Jahren aus einer homophoben Umgebung in Israel in die fremde Stadt, kannte niemand in Berlin und entdeckte die Travestie-Shoes für sich. Mit ihren LipSync-Auftritten konnte sie mittlerweile sogar ihre Mutter, die anfangs gar nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte, wieder für sich gewinnen.

Caner Sunar ist das Bindeglied zwischen den Welten: als Kind träumte er sich in die Prinzessinen und Soap-Diven hinein und verkleidete sich gerne. Während des Studiums entwickelte er einen Drag-Charakter, mit dem er gelegentlich auftrat. Beiläufig berichtet er auch, wie er auf den Straßen Neuköllns aneckte.

Regine Zimmermann und Helmut Mooshammer sind für die neugierigen Fragen zuständig. Mit gespielter Naivität, die an manchen Stellen etwas zu albern und dick aufgetragen wirkt, liefern sie den Gästen die Vorlagen für den nächsten Showauftritt oder die nächste Erzählung, unterlegt von der Musik von Romain Frequency und den Videos von Peter Baur.

Mit „ugly duckling“ gelang Bastian Kraft und seinem Team ein ungewöhnlicher Abend, der unterschiedliche Zielgruppen zusammenbringt, und zu den unterhaltsameren, besseren Inszenierungen dieser Spielzeit gehört.

Bilder: Arno Declair

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