Kommt ein Pferd in die Bar

Es gibt nur wenige Schauspieler, denen man es zutraut, eine 2,5stündige, pausenlose Beinahe-Solo-Show zu stemmen. Samuel Finzi gehört in diese Kategorie.

Dennoch scheitert das Experiment. David Grossmans preisgekrönter, knapp 250 Seiten kurzer Roman „Kommt ein Pferd in die Bar“ wurde von den Feuilletons, als die deutsche Übersetzung 2016 erschien, als intelligente, tragikomische Farce über einen alternden Stand-up-Comedian und die Traumata des Holocausts gelobt.

In der szenischen Einrichtung – von Regie kann man hier kaum sprechen – durch Dušan David Pařízek wird daraus ein monotoner Wortschwall von Samuel Finzi, der sich an seinen kleinen Einlagen berauscht. Dem Abend fehlt jede überzeugende Regie-Idee und jeder dramaturgische Esprit. Zermürbend schleppt sich der Monolog dahin.

Dementsprechend fielen die Kritiken zu dieser Ko-Produktion schon bei den Salzburger Festspielen und im Wiener Akademietheater recht negativ aus. Zur Berlin-Premiere schlüpfte Kathleen Morgeneyer aus dem DT-Ensemble in die Rolle von Dov Grinsteins Jugendfreundin Pitz und löste damit Burgschauspielerin Mavie Hörbiger ab.

In der undankbaren kleinen Nebenrolle als blasser, verhuschter Sidekick ist Morgeneyer ein kleiner Lichtblick in einer viel zu langen, einfallslosen Roman-Adaption.

Bilder: Arno Declair

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