9 Tage wach

„Darf ich ehrlich sein? Es war sehr, sehr lange sehr, sehr geil“: so simpel fällt die Antwort von Eric Stehfest, der einem größeren Publikum vor allem aus seiner Zeit als Soap-Sternchen in GZSZ bekannt, auf die Frage aus, wie er im Crystal Meth-Rausch versinken konnte.

„9 Tage wach“ heißt sein autobiographischer Drogenbericht, den er gemeinsam mit Michael J. Stephan zu Papier brachte. John von Düffel machte daraus eine Bühnenadaption, die Castorf-Schüler Sebastian Klink schon vor einem Jahr in Dresden uraufgeführt hat. Ein passender Ort, denn in der Region, die von Crystal Meth aus der tschechischen Grenzregion überschwemmt wird, ist Stehfest aufgewachsen und „Scheiß-Dresden“ ist auch ein Leitmotiv der Musik-Theater-Uraufführung, die Fabian Gerhardt für die Neuköllner Oper aus von Düffels Bühnenfassung entwickelte.

Der Abend ist dann am stärksten, wenn die Beats krachen und die fünf Spieler*innen die starken Songs mit prägnanten Texten performen, die Christopher Verworner und Claas Matti Krause für diesen Drogen-Trip geschrieben haben. Dabei werden sie live von sieben Musiker*innen angebracht, die unter der schrägen Bühne kauern.

Der Sprechtheater-Anteil dieses Abends leidet darunter, dass er allzu beliebig und sprunghaft im Zick-Zack hin und herspringt. Alle fünf Spieler*innen teilen sich die Rolle von Eric, übernehmen im nächsten Moment aber schon wieder Nebenrollen wie den Part seiner Freundin, seiner Kommilitonen oder seiner Freundin. Wann immer der Text dominiert, droht der Abend den Faden und sein Publikum zu verlieren.

Erst wenn für kurze Zeit die Musik des VKKO und die Choreographien von Lilit Hakobyan den Ton angeben, kommt „9 Tage wach“ wieder bei sich an. Eindringlich wird dann erlebbar, wie der Drogenkonsument die Kontrolle über sich zu verlieren drohte, aber irgendwie doch noch die Kurve kriegte.

Bild: Matthias Heyde

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