Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben

Mit einer Predigt hat das Nürnberger Gastspiel mit dem langen Titel erstaunlich wenig zu tun. Bei der Arbeit von Boris Nikitin, der vor allem in der freien Szene unterwegs ist, und Malte Scholz handelt es sich um eine wortreiche, sehr textlastige Performance, die um den Tod und das Sterben kreist.

Aufhänger für die von Malte Scholz mit der sonoren Stimme eines Entertainers vorgetragenen, manchmal zu philosophisch-raunenden Textmasse sind Gedanken von Aristoteles und eine dazu passende Stelle aus Heiner Müllers „Der Auftrag“: „Ihr habt das Sterben verlernt, deswegen seid ihr zu keiner Revolution mehr fähig.“

Aufgelockert durch sehr schön vorgetragene Songs des Gospelchos Nürnberg und des Veitsbronner Gospelchors „Voices“ kämpft sich Scholz durch langsatmige Monologe, die vor allem um das Sterben seines Vaters kreisen, der an ALS litt und binnen Monaten komplett bewegungsunfähig wurde, seine ursprüngliche Patientenverfügung aber mehrfach änderte. Dazwischen schieben sich Gespräche mit Sterbehilfe-Vereinen in der Schweiz und Theater-Betriebs-Geplauder von Scholz mit seinem Kollegen Yascha Finn Nolting, der ihn am Klavier begleitet.

Der Seelenstriptease von Scholz, bei dem wie so oft in der Schwebe bleibt, wie viel fiktional oder autobiographisch ist, mündet in einen Striptease, an dessen Ende der Performer nackt am Boden liegt, während lange Kamerafahrten durch triste Krankenhaus-Sterbeflure über die Leinwand flimmern.

Die spröde Performance wurde im September 2018 zum Auftakt der neuen Intendanz in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg und war zu den Autorentheatertagen am Deutschen Theater Berlin eingeladen.

Bilder: Konrad Fersterer

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