Trüffel Trüffel Trüffel

Ungewöhnlich prominent ist die Besetzung dieser kleinen, nur eine Stunde kurzen Farce, die Felix Rothenhäusler in der Kammer 2 inszenierte. In „Trüffel Trüffel Trüffel“ versuchen zwei kleinbürgerliche Paare, getrieben von Statusangst, Narzissmus und unbedingtem Aufstiegswillen, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Die beiden Kinder Emmeline (Zeynep Bozbay) und Frédéric (Samouil Stoyanov) sollen heiraten. Dass sie in der langen Reihe der Schauspieler*innen (fast) ganz am Rand stehen, ist konsequent. Denn für ihre Eltern sind sie nur Mittel zum Zweck für den erhofften sozialen Aufstieg.

Die Ehepaare Malingear und Ratinois kreisen nur um sich selbst und sind zwanghaft bemüht, sich als besonders wohlhabend und gebildet und ihre Sprößlinge als gute Partie erscheinen zu lassen. Die Hochstapler*innen prahlen und lügen, dass sich die Balken unter dem Teppich biegen und sie eigentlich rot vor Scham anlaufen müssten.

Annette Paulmann spielt Hubert Malingear als Klischee eines kleinen Angestellten kurz vor der Rente: mit Walross-Schnauzer, aufgeklebten Haarfransen, die strähnig über der Glatze liegen, mit Wohlstandsplautze und sehr ehrpusselig. Angetrieben wird er von seiner Frau Ermelinde: Nils Kahnwald im geblümten Kleid und dick aufgetragenem Rouge kokettiert mit den angeblichen Erfolgen von Mann und Tochter und steigert sich in derartige Wahngebilde hinein, dass ihrem Hubert angst und bange wird.

Auf der Gegenseite steht Herbert (Gast Marie Rosa Tietjen mit Fatsuit aufgepolstert) unter dem Pantoffel von Emilia-Amalia (Wiebke Puls), die ihn um mehrere Köpfe überragt und sagt, wo es lang geht. Aus Prestigegründen muss unbedingt eine Loge in der Oper gebucht werden, obwohl dort eh nur „Rigoletto“ läuft, wie alle vier stöhnen. Nicht vorhandene Kammerdiener und Zofen müssen gerufen und ein Delikatessen-Catering mit Trüffel und Champagner bestellt werden.

Am Ende haben sich beide Paare gründlich verspekuliert. In ihrer Euphorie haben sie sich bei der Mitgift in schwindelerregende Höhen hochgepokert und wären nun ruiniert, wenn nicht Onkel Robert einspringen würde. Das schwarze Schaf der Familie (Thomas Hauser mit überdimensionalen Ohrringen, die ihm sehr gut stehen), das den Ratinois so peinlich war, dass er nicht zum Abendessen kommen sollte, rettet die Situation als „Deus ex machina“.

Das selten gespielte „Trüffel Trüffel Trüffel“ von Eugène Labiche, der nach seinen großen Erfolgen zur letzten Jahrhundertwende heute nur noch ein Nischendasein im Edel-Boulevard fristet, ist eine „charmante Arabeske“, wie Robert Braunmüller in der Abendzeitung nach der Premiere 2017 treffend schrieb. In den Münchner Kammerspielen ist dieses Schauspielfest nur noch einmal zu erleben.

Bild: Julian Baumann

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