Impromptus

Mit diesem knapp anderhalbstündigen Stück betrat Sasha Waltz Neuland: 2004 choreographierte sie erstmals einen Abend zu klassischer Musik. Im Zentrum stehen vier Impromptus, kleine, lyrische Klavierstücke von Franz Schubert, die von einigen Kunstliedern unterbrochen werden.

Während Cristina Marton am Bühnenrand am Klavier sitzt, finden sich die Tänzer*innen zu Duetten zusammen. Langsam tasten sie und ihre Choreographin sich auf zwei schiefen Ebenen an die Musik heran. Der Ausprobiermodus ist dem Abend auch 15 Jahre nach der Premiere bei einer Wiederaufnahme deutlich anzumerken. Selten war ein Abend von Sasha Waltz mit derart angezogener Handbremse zu erleben. Die ironischen, kurzen Einschübe, als die Tänzer*innen in Unterwäsche und Gummistiefeln über die Bühne stapfen und sich mit Farbe beschmieren, wirken wie aus dem Handbuch für alberne Performances.

„Impromptus“ markiert einen Übergang: nicht nur hin zur klassischen Musik, die viele folgende Arbeiten von Sasha Waltz, vor allem an der Staatsoper, prägte, sondern auch den Abschied von der Schaubühne, die sie nach einem Streit mit Thomas Ostermeier nach fünf Jahren gemeinsamer künstlerischer Leitung verließ.

Im Radialsystem V, das in den folgenden Jahren die künstlerische Heimat von Sasha Waltz & Guests wurde, ist dieses Repertoire-Werk an vier Abenden im August 2019 zu sehen.

Bilder: Sebastian Bolesch

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