#BerlinBerlin

Passend zum Jahrestag des Mauerbaus startete das Theater Strahl mit der Wiederaufnahme von „#BerlinBerlin“ in der Halle Ostkreuz in seine neue Spielzeit: das Stück erzählt das Schicksal einer fiktiven Familie zwischen Mauerbau und Mauerfall.

Ungewöhnlich ist die Entstehungsgeschichte des Abends: vier Autor*innen mit ganz unterschiedlichem biographischem Hintergrund entwickelten die Geschichte in einem „kollektiven Schreibprozess“. Günter Jankowiak und Jörg Steinberg, der auch Regie führt, erlebten den Kalten Krieg und das geteilte Berlin bewusst mit, der eine im West-Teil der Stadt, der andere in Ost-Berlin. Uta Bierbaum wuchs in Osnabrück auf und war im Jahr des Mauerfalls noch ein Kind, Sina Ahlers wurde als Jüngste des Quartetts erst im wiedervereinigten Deutschland geboren.

Hauptfigur Ingo (Justus Verdenhalven) wird am Tag des Mauerbaus in einer Ost-Berliner Klinik geboren und lernt erst kurz vor dem Mauerfall seine Halbschwester kennen. Sein Vater Klaus (Raphael Zari) schaffte den Sprung in den Westen und ließ seine Frau (Josephine Lange) mit dem Baby sitzen. Stattdessen baute er sich in West-Berlin eine neue Familie mit Frau (Beate Fischer) und zwei Töchtern auf und entwickelte sich zum „Kommunistenfresser“. Allergisch reagiert er auf linke Bewegungen wie die Kinderläden oder die Hausbesetzer-Szene, der sich seine ältere Tochter (Sarah Schulze Tenberge) anschließt.

Die Handlung wird streng chronologisch erzählt, switcht aber dabei ständig zwischen den beiden Familien in Ost und West hin und her. Das sechsköpfige Ensemble hat alle Hände voll zu tun, da sie nicht nur häufig die Rollen wechseln, sondern als Live-Band mit markanten, zeittypischen Songs wie „The times they are a changin“ oder „Sag mir, wo Du stehst“) auch für die musikalische Untermalung sorgen.

Zielgruppe von #BerlinBerlin, das mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Stiftung Berliner Mauer entstand, sind vor allem Jugendliche, die auf erfreulich undidaktische Art in einer auf knap zwei Stunden komprimierten Familiensaga in die Geschichte der deutschen Teilung eintauchen können.

Die Berliner Morgenpost war von dem Abend, der im März 2018 Premiere hatte, so begeistert, dass sie ihm den Friedrich Luft-Preis als beste Inszenierung der vergangenen Spielzeit verlieh, den sich das Theater Strahl mit der P14-Opern-Produktion „Drei Milliarden Schwestern“ teilte. Als absoluten Höhepunkt der Berliner Spielzeit würde ich es nicht bewerten, aber sympathisches Jugendtheater ist #BerlinBerlin allemal. Vor allem in der zweiten Hälfte nach der Pause sind die Szenen sehr gut und ohne Brüche gebaut.

Bilder: Jörg Metzner

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