Mary said what she said

Hoher Besuch am Thalia Theater: Der französische Filmstar Isabelle Huppert gibt sich die Ehre mit einem 80minütigen Solo. Regie führte kein Geringerer als Robert Wilson, einer der prägendsten Regisseure der 1970er-1990er Jahre.

Das Publikum wird ermahnt, die Handys komplett auszuschalten. Die Drohung wird hinterher geschickt, dass die Aufführung beim Aufleuchten eines Displays abgebrochen werden muss, weil sonst das Lichtdesign des Meisters gestört würde. Bevor sich der rote Samtvorhang hebt, flimmert noch ein Hunde-Video über den großen Bildschirm. Zunächst steht die Diva ganz hinten im Halbdunkel und setzt langsam zum Monolog in ihrer Muttersprache (mit deutschen Übertiteln) an. Nur schemenhaft ist sie anfangs zu erkennen. Das lädt zum Spekulieren ein: Ist der Star wirklich auf der Bühne präsent oder lässt sie sich doublen?

In Trippelschritten arbeitet sie sich nach vorne an die Rampe. Das ist symptomatisch für den kurzen Abend: Sehr statisch ist „Mary said what she said“ angelegt, mehr Installation als Theater. Im Mittelpunkt stehen die Lichtregie und der lange, assoziativ mäandernde Gedankenstrom, den Darryl Pinckney der historischen Figur Maria Stuart, Königin von Schottland, in den Mund legt.

Untermalt von Ludovico Einaudis Musik arbeitet sich Isabelle Huppert durch einen sprunghaften Text. Mantraartig beschwört sie immer wieder ihre vier Kammerzofen, die ebenfalls alle Mary heißen. Sprunghaft wechseln die Themen, Privates steht neben Politischem. Mal rappt Madame Huppert fast so wie die Jungs aus der Banlieue, mal bricht sie in hysterisch-gekünsteltes Lachen aus. Ihre Bewegungen sind stehts minimalistisch, fast wie bei einer Marionette, ganz so wie man es in Robert Wilsons Regie-Arbeiten schon sehr, sehr oft in seinen Spätwerk-Inszenierungen an Claus Peymanns Berliner Ensemble gesehen hat.

Nach einem kurzen, sehr kitschigen Intermezzo mit Nebelwallen und Kinderstimme vom Band kehrt Isabelle Huppert für ein kurzes Finale zurück auf die Bühne, um die letzten Gedanken auszusprechen, die Maria Stuart vor ihrer Hinrichtung möglicherweise durch den Kopf geschossen sein mögen. Sie tigert nun wie ein Raubtier im Zoo hinter seinen Gitterstäben quer über die Bühne: Zigfach legt sie dieselbe Strecke zurück. Streng hält sich Huppert an die minimalistische Bewegungschoreographie von Wilson, bevor die letzten Worte verhallen und der Star mit viel Beifall und mit gezückten Handys gefeiert wird.

Inhaltlich und szenisch hat der Abend, der im Mai im Pariser Odeon Premiere hatte, wenig zu bieten. Altmeisterlich spult Robert Wilson bewährte Regie-Konzepte ab, die vor Jahrzehnten avantgardistisch und aufregend waren, und hat dafür eine zugkräftige Star-Schauspielerin an seiner Seite, mit der er schon 1993 in „Orlando“ zusammenarbeitete. Sie einmal live auf der Bühne zu erleben, ist der Mehrwert und Glamourfaktor dieses prätentiösen Abends, der schon bei den Wiener Festwochen ein Publikumsmagnet war und auch am koproduzierenden Thalia Theater drei Mal für ein volles Haus sorgte.

Bild: Lucie Jansch

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