Die Nibelungen – allerdings mit anderem Text und auch mit anderer Melodie

Mit ihrer „Effi Briest“-Radioshow landeten Barbara Bürk und Clemens Sienknecht 2015/16 einen Überraschungshit im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses, der seine Einladung zum Theatertreffen verdient hat. Das Konzept, den klassischen Schullektüre-Stoff auf die Schippe zu nehmen und mit einer ironischen Hommage an herrlich altmodische Radioshows vergangener Jahrzehnte zu koppeln, war originell und sorgte für gute Laune.

Dieses Erfolgsrezept versuchten Bürk/Sienknecht bereits mehrfach zu kopieren: sowohl auf der großen Bühne des Schauspielhauses, aber auch in anderen Städten. Das Problem: Was einmal gelang, lässt sich nicht beliebig klonen. Keine der Kopien erreichte bisher den Charme des „Effi Briest“-Originals.

Zu sehr zerfällt auch der pausenlose, zweistündige „Nibelungen“-Abend in zwei Teile. Anfangs steht mit „Radio Walhalla“ die Parodie des Mediums im Mittelpunkt. Das Beste der 70er, 80er und 90er wird kurz angespielt, Werbe-Spots und Verkehrsfunk veräppelt, bewusst ungelenk tanzt das Ensemble und guckt bedröppelt bei der nächsten Panne der Radioshow, wenn z.B. der Plattenspieler marthalerhaft stets an derselben Stelle hängen bleibt.

Langsam verschiebt sich der Fokus darauf, die Nibelungen-Sage durch den Kakao zu ziehen. Mit Co-Regisseur Clemens Sienknecht als Siegfried, Michael Wittenborn als Radiomoderator und Publikumsliebling Lina Beckmann als Brunhild in den markantesten Rollen ballt sich viel komisches Talent auf der Bühne.

Immer wieder gibt es kleine Kabinettstücken wie stilisierte Kampfszenen mit Comedy-Geräuschen, die live von den Mitspieler*innen erzeugt werden, und manche schöne Songs zum Mitwippen. „Die Nibelungen“ sind deshalb nette Unterhaltung für einen beschwipsten Silvester-Abend. Aber so richtig zündet auch diese Kopie des Erfolgs-Hits leider nicht. Die zweite Stunde schleppt sich erstaunlich zäh dahin, Gemetzel reiht sich an Gemetzel.

Bilder: Matthias Horn

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