Don´t be evil

Kay Voges hatte sich mit aller Macht und Gewalt als neuer Volksbühnen-Intendant ab der Saison 2021/22 ins Spiel gebracht – und scheiterte. Kultursenator Klaus Lederer entschied sich für René Pollesch, der Vertrag wurde am gestrigen Nachmittag unterschrieben. Voges musste sich stattdessen mit der Intendanz des kriselnden Wiener Volkstheaters zufrieden geben.

Am gestrigen Abend hatte er die Chance, zu zeigen, was er kann – und scheiterte krachend. Schon das Programmheft präsentiert keinen klaren Gedanken, sondern ist ein Sammelsurium aus Schnipseln und Begriffsdefinitionen.

Mit „Don´t be evil“ wollte sich Voges der Hate Speech im Netz widmen: sicher ein lohnendes Thema. Das Urteil des Landgerichts Berlin, das unflätige Beschimpfungen gegen Renate Künast unbeanstandet passieren ließ, zeigt, dass hier vieles im Argen liegt.

Aber der Abend verweigert sich diesem Ausloten komplett. Demonstrativ selbstironisch zeigen sich der Regisseur, sein Team und seine Spieler*innen in Videogroßaufnahmen beim Gähnen. Belanglos, beliebig und banal geht es auch weiter.

Witzfiguren aus dem Netz, die Selbstinszenierung von Youtube-Sternchen, weitere Textschnipsel von Brecht bis Barlow werden rezitiert, Uwe Schmieder steigt in einer blassen „Square“-Imitation ins Publikum. Der Abend beschränkt sich auf Insidergags: die notorischen Facebook- und Nachtkritik-Rants von Martin Baucks werden verwurstet, das Livevideo eines suizidalen Amoklauf-Pärchens nachgespielt.

Das ist alles so denkfaul zusammengeschustert, dass ich nach der ersten der beiden Stunden jede Hoffnung aufgegeben und diesen peinlichen Totalausfall verlassen habe.

Bilder: Julian Röder

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