Don Quijote

Zwölf Jahre nach ihrem „Endspiel“ als Clov und Hamm sind sie gemeinsam zurück auf der Bühne des Deutschen Theaters: die beiden so gegensätzlichen Schauspielstars, der melancholische Ulrich Matthes, der jedem Wort nachlauscht, und Wolfram Koch, der in den komischen Fritsch-Rollen in seinem Element ist.

Wie damals führt Jan Bosse Regie. Gespielt wird zwar nicht Beckett, sondern eine Stückfassung des Roman-Wälzers „Don Quijote“, eines der berühmten Bücher der Weltliteratur, dessen Hauptfiguren fast jeder kennt, das aber fast niemand gelesen hat. Becketthaft sind jedoch die beiden traurigen Gestalten, die über die fast leere Bühne von Stéphane Laimé trippeln. Bewusst lächerlich ausstaffiert treten die beiden Großschauspieler auf: Ulrich Matthes mit Kettenhemd über dem Nachthemd, Zottelbart und Aluhut mit Blumenkranz, sein Knappe Sancho Panza mit Fatsuit und fettigen Haarsträhnen. Passend dazu schiebt Sancho Panza seinen Herrn in einer Szene mit dem Einkaufswagen aus dem Supermarkt durch die Gegend.

Zu selten lassen die beiden Schauspiel-Stars ihr Können aufblitzen: hier ein wirr-entrückter Blick von Matthes beim Kampf gegen die Windmühlen, dort ein kleiner, aus dem Ärmel geschüttelter, bauernschlauer Punchline-Kommentar von Koch.

Der Abend krankt jedoch daran, dass sich die Szenen zu redundant gleichen und zu schleppend erzählt werden. Schon nach der Premiere diese Koproduktion bei den Bregenzer Festspielen im Juli war das Presse-Echo sehr verhalten. Auch in Berlin kann der Abend nicht recht überzeugen. Wenn dann auch noch eine pubertierende Schulklasse aus den hinteren Reihen penetrant stört, hat auch ein Duo wie Matthes/Koch einen verdammt schweren Stand.

Bilder: Arno Declair

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