Porträt einer jungen Frau in Flammen

Blicke und Begehren stehen im Zentrum dieses elegischen Liebesdramas von Céline Sciamma. Héloïse (Adèle Haenel) soll nach dem Wunsch ihrer Mutter standesgemäß mit einem Adligen aus Mailand verheiratet werden, der sich zuvor jedoch ein Porträt seiner zukünftigen Frau wünscht. Da „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ im 18. Jahrhundert und damit weit vor dem Zeitalter von Selfies und Digitalfotografie spielt, muss eine Porträtmalerin engagiert werden. Die besondere Herausforderung: da sich Héloïse gegen die arrangierte Ehe wehrt, für die urspünglich ihre Schwester ausersehen war, die offenkundig Suizid begann, kann das Porträt nur ohne ihr Wissen heimlich aus der Erinnerung und nicht wie üblich in langen Porträtsitzungen angefertigt werden.

Nachdem der erste Maler an dieser Aufgabe kläglich gescheitert ist, wird die junge Marianne (Noémie Merlant) engagiert. Unter dem Vorwand, dass sie als Gouvernante auf den Spaziergängen am Meer auf Héloïse aufpassen soll, muss Marianne ihren Körper und ihre Gesichtszüge während der langen gemeinsamen Ausflüge aus den Augenwinkeln taxieren und versuchen, ihn möglichst genau auf die Leinwand zu bannen.

Wie zu erwarten, fliegt der Täuschungsversuch schnell auf. Aus den verstohlenen Blicken entwickelt sich stattdessen eine intensive lesbische Affäre während der kurzen Abwesenheit der Mutter von Héloïse. Sciamma lässt sich sehr viel Zeit, die Entwicklung und das Scheitern dieser Liebesgeschichte zu erzählen. Die 40jährige erzählt ihr Historiendrama in souveräner, fast altmeisterlicher Manier.

Ein Schwerpunkt liegt auf den patriarchalen Zwängen und dem Leiden der Frauen. Zwischen den kurzen Glücksmomenten der Zweierbeziehung stehen mehrere peinigende Versuche der Kammerzofe Sophie (Luàna Bajrami), ihr Kind abtreiben zu lassen, die bei manchen Kinobesucher*innen allein schon vom Zuschauen Schmerzen verursachten.

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist ein dezidiert feministischer Film, der trotz seiner Zartheit sehr düster und bedrückend ist. Von der jugendlichen Leichtigkeit und Frische, die Céline Sciammas beide ersten Filme“Water Lillies“ (2007) und „Tomboy“ (2011) ist in ihrem mittlerweile vierten Werk wenig zu spüren.

Bei der Premiere in Cannes wurde Sciamma nicht nur mit der Silbernen Palme für das Beste Drehbuch ausgezeichnet, sondern gewann auch die Queere Palme. In den deutschen Kinos startete der Film am 31. Oktober 2019.

Bilder: Alamode Film

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