Futureland

Dieses Dokutheaterstück ist ganz auf Jugendliche und Schulklassen zugeschnitten: Lola Arias lässt geduldete junge Flüchtlinge von ihrem Alltag, ihren Hoffnungen und Ängsten erzählen. Sie berichten von Befragungen und zum Teil als demütigend empfundendenen Untersuchungen in den Ankunftszentren erlebten, wo es darum ging, ihr genaues Alter festzustellen. Gegenseitig spielen sie sich mit verteilten Rollen ihre Befragungs-Prozeduren in den Asylverfahren, ihre Gespräche mit ihren Betreuern oder Telefon-Anrufe bei Verwandten und Eltern vor.

„Krass Neues“ erfährt man an diesem 90minütigen Abend nicht, wie eine Zuschauerin beim Verlassen des Gorki Containers bemerkte. Zeitungleser*innen dürften die meisten Fakten bekannt sein. Der Unterschied: an diesem Abend erfährt man sie aus erster Hand.

Ungewöhnlich ist die Art und Weise, wie die ernsten Themen präsentiert werden: nicht als bedrückendes, staubtrockenes Schwarzbrot-Dokumentartheater, sondern spielfreudig mit kleinen Tanz-Einlagen, eingestreuten Songs, Computer-Animationen und Avataren, die für die Instanzen der kühlen Bürokratie stehen.

Anders als in ihrem letzten Gorki-Projekt „Atlas des Kommunismus“ mixt Lola Arias diesmal nicht Laien und Profi-Schauspieler*innen verschiedener Generationen, sondern arbeitet konsequent mit acht Teenagerinnen, die sehr authentisch aus ihrem Leben berichten.

Zentrale Themen des Abends sind Ungewissheit und Zukunftsangst der geduldeten Minderjährigen: Was passiert nach ihrem 18. Geburtstag? Dann schwinden die Chancen auf einen Familiennachzug und auch sonst werden die Regeln strenger.

Mit dem Rücken zum Publikum blicken sie in der letzten Szene auf die „Futureland“-Animation und eine ungewisse Zukunft.

Bild: Esra Rotthoff

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