Neverland

Eine poetisch-verträumte Erzählung über den Jungen Peter Pan, der nicht erwachsen werden will, sollte dieser Abend des Thalia-Hausregisseurs Antú Romero Nunes werden.

Leider verzettelt sich der Abend in viel zu vielen, meist wirr aneinander gereihten Abschweifungen. Von der Odyssee über Cristiano Ronaldo bis zu jungen Drogendealern in Südamerika kommt er vom Hölzchen aufs Stöckchen. Antú Romero Nunes und Anne Haug lassen jedoch ein klares Konzept vermissen, was sie überhaupt erzählen wollen. Der Bogen, den sie vor der Pause von Peter Pan zu Berliner Abenteuerspiel-Plätzen für Erwachsene wie „Kater Blau“ oder Berghain“ schlagen, wäre ein interessanter Ansatz gewesen. Aber diese Idee wird genauso wenig weiterverfolgt wie jeder andere Einfall des Abends.

Dementsprechend kommt „Neverland“ nicht über eine Nummernrevue hinaus, die sich zähe drei Stunden dahinschleppt und nur in wenigen kurzen Szenen unterhält. Von der Poesie der besten Nunes-Inszenierungen wie „Orpheus“ ist dieser Abend weit entfernt, aber auch Slapstick und Comedy sind diesmal eher Mangelware. Zu selten blitzt auf, was dieses aus mehreren eutropäischen Partnertheatern rekrutierte Ensemble hätte leisten können: Aenne Schwarz darf als blondierter Kobold George ein paar Mal über die Bühne huschen und den portugiesischen Fado karikieren. Christiane von Poelnitz, die gerade vom Burgtheater nach Hamburg wechselte, ist als Hook mit sadomasochistischen Spielchen mit ihrem französischen Liebhaber Jean (Pascal Houdus) beschäftigt. Sehr blass bleibt diesmal Marko Mandić aus Ljubljana, der sich zuletzt im „Balkon“ nach Genet bewundernswert verausgabte.

Die wenigen starken Bilder der Inszenierung bleiben rätselhaft und wirken zu beliebig aneinander geklebt. Wenn das „Rudel“ der verlorenen Jungen plötzlich hinter Schweineköpfen verschwindet oder gemeinsam mit Marko Mandić unter einer Plastikplane abtaucht, sind das kurze Momente, in denen es so scheint, als könnte der Abend nun doch noch Fahrt aufnehmen. Aber auch diese Regie-Einfälle verpuffen sofort wieder, die assoziative Irrfahrt mäandert ziellos weiter.

Bilder: Krafft Angerer

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